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DAS KLEINE FORMAT - Impressionismus Expressionismus Klassische Moderne    May 5 - Jun 29, 2012

Collage beige
Eduardo Chillida
Collage beige, 1985
 
Die Heckengärten in Wannsee nach Osten
Max Liebermann
Die Heckengärten in Wannsee nach Osten, 1924
 
 
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Ausstellungseröffnung: Samstag, 5. Mai 2012

Ausstellungsdauer: 5. Mai bis 29. Juni 2012

Chagall - Chillida - Feininger - Francis - Gotsch - Heckel - von Jawlensky - Liebermann - Macke - Mack - Marini - Modersohn-Becker - Morandi - Münter - Nay - Nolde - Pechstein - Purrmann - von Werefkin - Zadkine

Es erscheint ein Katalog.

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'Und jetzt lasse ich diese kleinen, für mich aber bedeutenden Werke für die Zukunft den Menschen, die Kunst lieben.' (Alexej von Jawlensky)

Klein aber fein - so könnte auch das Motto der Ausstellung lauten, die der Hubertus Melsheimer Kunsthandel anlässlich des 10-jährigen Bestehens seiner Ausstellungsräume in der Kölner Benesisstraße präsentiert.

Seit jeher waren es die kleinen, intimen Arbeiten, diejenigen, die nicht auf raumbeherrschende Wirkung zielen, in denen sich der Ausdruck der künstlerischen Persönlichkeit in besonderem Maße offenbart hat. Schon im 16. und frühen 17. Jahrhundert wurden die kleinformatigen, zierlichen „Kabinettbilder“ der flämischen Künstler, wie beispielsweise Jan Brueghel d. Ä., von ihren vermögenden Auftraggebern, aufgrund ihres hohen malerischen Anspruchs und ihrer erzählerischen Dichte auf kleinstem Bildgrund, hochgeschätzt und waren in den fürstlichen Kabinettzimmern nur einer Handvoll erlesenen Besuchern vorbehalten.

Das Spektrum der ausgestellten Kunstwerke im Hubertus Melsheimer Kunsthandel ist breit gefächert und vereint große Namen der ersten und zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Von frühen Werken der Brücke-Künstler wie Heckel, Pechstein und Kirchner werden, neben einer seltenen Keramikarbeit von Marc Chagall, eine reliefartig gemalte „Vibration“ des Zero Künstlers Heinz Mack und ein blau strahlendes „Drip Painting“ des amerikanische Künstlers Sam Francis gezeigt. Trotz aller Unterschiedlichkeiten verbindet die durchgängig hohe Qualität der einzelnen Exponate diese zu einer einzigen Hommage an DAS KLEINE FORMAT.

Ganz besonders in der Herausforderung, die bekannten Themen und Motive der Malerei im kleinen Bildformat wiederzugeben, offenbart sich die große künstlerische Leistung.
Stellvertretend für diesen Anspruch an DAS KLEINE FORMAT können gleich zwei Arbeiten von Max Liebermann in der Ausstellung genannt werden. In unterschiedlichen Techniken (Pastell und Öl) gelingt es Liebermann eines seiner bekannten Wannseegarten-Motive brillant auf kleiner Bildfläche darzustellen.
Liebermann, der 1909 das Grundstück am Wannsee erwarb, um dort eine Sommerresidenz abseits des Großstadttrubels Berlins zu errichten, beginnt mit Ausbruch des ersten Weltkrieges zunehmend, sich in sein privates Refugium zurückzuziehen. Ihn begeistern besonders die Idee der regelmäßigen Gliederung von Beeten, Hecken und Baumgruppen und das geometrische Spiel dieser Komponenten - ein Hauptthema seiner Gartenbilder.

Das kleine Ölbild „Der Heckengarten in Wannsee nach Osten“ von 1924 veranschaulicht, wie Liebermann in schwungvollem, raschem Pinselduktus die Geometrie des Gartens aufnimmt. Im Vordergrund umrahmt das im sommerlichen Wind wehende Laub der Bäume in unterschiedlichsten Grüntönen den Bildausschnitt; in der Bildtiefe, angedeutet durch weiße, leichte Pinselakzente, das Spiel des in der Sonne reflektierenden Wassers.

Das Pastell „Der Garten des Künstlers am Wannsee mit Blick auf die Heckengärten“, ebenfalls von 1924, zeigt einen beinah identischen Blick vom Haus auf den Wannsee. Der Künstler nimmt hier einen leicht erhöhten und versetzten Standpunkt ein. Nun wird dem Betrachter über die Heckengärten hinweg eine freiere Sicht auf den See ermöglicht, wo in der Ferne langsam ein Segelboot vorüberzieht. In beiden kleinformatigen Arbeiten gelingt Liebermann in temperamentvollem Duktus und lebendiger Farbigkeit das große Kunststück, diese besondere Stimmung des sommerlichen Gartens in skizzenhafter Leichtigkeit wiederzugeben.

Präsent werden durch die Ausstellung auch die unterschiedlichen äußeren Umstände und Schicksale, die die Maler zum kleinen Bildformat bewegten: War es bei Liebermann vor allem die Idee einer schnellen, skizzenhaften Umsetzungsmöglichkeit der Motive in der Freilichtmalerei, gibt es auch andere Gründe, die zur „Miniatur“ veranlassten: Die „Brücke“-Künstler, hier vertreten durch Erich Heckel und Max Pechstein, nutzen die kleine Zeichenfläche der „Künstlerpostkarte“ als wichtiges Korrespondenzmittel, um sich mit Malerkollegen über Eindrücke und spontane Entwürfe auf Reisen austauschen zu können. Bei Emil Nolde ist es das Berufsverbot unter den Nationalsozialisten und die Materialknappheit, die ihn dazu zwingen, aus Materialknappheit und Angst vor Entdeckung auf kleine Papierformate auszuweichen – die Serie der „Ungemalten Bilder“ entsteht („Abendrot über dem Meer, zwei Dampfer“, 1938-1945). Alexej von Jawlensky hingegen zwingen starke Lähmungserscheinungen in den Händen vor allem im Spätwerk zu reduzierten Formen auf kleinen Flächen („Meditation“, 1934).

So schafft es die Ausstellung nicht nur, durch die durchgängig hohe Qualität der Exponate einen Bogen zu spannen, sondern erzählt auch eine kleine Kunstgeschichte des KLEINEN FORMATS.

St. Lippe M.A

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