Elmar Haardt
Topografien der Durchfahrt II
14. Januar - 25. Februar 2012
Eröffnung 13. Januar 2012, 18-21 Uhr
Di-Sa 12-18 Uhr
Ein Laster am Waldrand, eine Straße ins Nichts, die Überreste einer Tankstelle, ein Lieferwagen auf einem leeren Parkplatz – die Fotografien von Elmar Haardt (geb. 1974) zeigen Landschaften, die in ihrem Darstellungsmodus zwischen ästhetischer Schönheit und unbehaglicher Leere changieren. Die Ansichten von Parkplätzen, Supermärkten, Siedlungsbauten, Straßen und Häusern – aufgenommen größtenteils in den USA, aber auch in Italien und Deutschland – stehen in einem latenten Spannungsverhältnis: Sie präsentieren erhaben anmutende Panoramen, deren gefühlte Weite jedoch durch die Kargheit der Landschaften und ihre örtliche Unbestimmtheit unterwandert wird. Die Fotografien unspek-takulärer, geradezu ergreifend banaler Umgebungen provozieren eine unerwartete Begegnung mit der Ortlosigkeit durchplanter Infrastrukturen.
Die Ausstellung „Topografien der Durchfahrt II“ ist die zweite Einzelausstellung von Elmar Haardt in der Galerie Jarmuschek + Partner in der Halle am Wasser in Berlin. Gezeigt werden neben einer Auswahl aus den Serien „Bondeno“(Italien, 2009/2010) und „Manchmal kann man die Berge sehen“ (München, 2010/2011) erstmals Haardts neueste Arbeiten, die 2011 in den nördlichen Bundesstaaten der USA (Pennsylvania, North und South Dakota, Montana, Washington sowie Nevada) entstanden sind.
Die Landschaften, die der Künstler im analogen Großformat festhält, sind vom Menschen angelegt und geprägt – und doch fehlt es dem abgebildeten Raum an Bewohntheit. Innerhalb der Auseinandersetzung mit den Beziehungen zwischen Wirklichkeit und fotografische Repräsentation fragt Haardt nach den an Landschaft und urbanem Raum ablesbaren gesellschaftlichen Verhältnissen. Das Landschaftsbild dient hier nicht vorrangig der dokumentarischen Aufzeichnung, sondern wird vielmehr zu einem übergeordneten, atmosphärisch verdichteten Sinnbild einer wahrgenommenen Gesamtsituation. Für seine Aufnahmen reist der Künstler an verschiedenste Orte und durchfährt die unterschiedlichsten Landschaften. Die einzelnen Umgebungen mögen eigene lokale Charakteristika beinhalten, die motivübergreifende Leere und die dadurch evozierte Verlorenheit – die Ambivalenz zwischen Schönheit und Unbehaglichkeit – sind jedoch das verbindende Element und zentrales Thema der Arbeiten.
Ulrike Westphal
|