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Leiko Ikemura: Los Espantos (Galería Kewenig, Palma de Mallorca)    Sep 19 - Nov 23, 2013

Flower
Leiko Ikemura
Flower, 2009
 
Kitsune Frau
Leiko Ikemura
Kitsune Frau, 2012
 
Black Horizon
Leiko Ikemura
Black Horizon, 2007
 
Contemporary Faces Mexican 3
Leiko Ikemura
Contemporary Faces Mexican 3, 2011
 
G–Nada
Leiko Ikemura
G–Nada, 2008
 
 
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Leiko Ikemura
Los Espantos

19. September – 23. November 2013
Eröffnung: 19. September 2013 ab 20 Uhr. Die Künstlerin ist anwesend.

Kewenig freut sich sehr, zum ersten Mal Arbeiten der japanisch-schweizerischen Künstlerin Leiko Ikemura (geb. in Tsu, Präfektur Mie, Japan) in Palma de Mallorca zu zeigen.

Leiko Ikemura hat seit den 1980er Jahren als Malerin, Bildhauerin und Zeichnerin ein umfangreiches Werk geschaffen, innerhalb dessen sie insbesondere seit den 1990er Jahren mit Darstellungen von kosmischen Landschaften und zeitlosen schemenhaften weiblichen Figuren eine prägende und einzigartige Bildsprache entwickelt hat.

Die Ausstellung 'Los Espantos' zeigt Arbeiten Ikemuras aus den Jahren 2008 bis 2013 und vereint – gleich einer Hommage an Francisco de Goya und dessen Darstellungen historischer weiblicher Figuren – Gemälde, Plastiken, Fotografien und Aquarelle. Der Titel 'Los Espantos' (span. 'el espanto', das Grauen) verweist auf Werkzyklen de Goyas und indirekt auf Ikemuras prägende Studienjahre in Spanien, wohin sie mit 21 Jahren aus Japan auswanderte. Leiko Ikemura bezeichnet Spanien als ihren eigentlichen Geburtsort, der insbesondere ihre Haltung zur Kunst und die Ikonografie ihrer eigenen Kunst wesentlich geprägt hat.
Die Ausstellung zeigt unter anderem zwei Aquarellzyklen, deren erster im Oratorio de Sant Feliu 16 hochformatige Portraits umfasst. Die rötlichen Aquarelle lassen sämtlich den Malgrund durchscheinen und zeigen leichte, transparent anmutende weibliche Gesichter aus Goyas Bildwelten, gemischt mit Portraits von Goya selbst. Ihr spielerischer, flüchtiger und studienhafter Duktus, immer wiederkehrende Auslassungen, Verfließungen und oft nur das Andeuten der Gesichter offenbaren, dass es Ikemura weniger um das Abbild und die Ähnlichkeit zur Vorlage geht, als vielmehr um ein Überschreiten der Grenzen des Definierten. Die Portraits scheinen mitunter fast anonym und rufen im Zusammenspiel mit stark farbigen abstrahierten Landschaftsmalereien und Plastiken der Ausstellung gleich einer Erinnerungslandschaft eher eine Annäherung an Goya und das mit ihm verbundene unbewusste Gedächtnis auf.

Zwischen dem Portrait-Zyklus und einer großformatigen Leinwandarbeit ('Goya', 2008), die eine fragil anmutende und an Goyas Herzogin von Alba erinnernde Figur auf grobem Nesselstoff zeigt, positioniert Leiko Ikemura in der Mitte des Oratorio de Sant Feliu eine Frauenskulptur: 'Liegende im Roten Kleid' (1997/2008), eine großformatige farbig gefasste Bronzefigur, deren Gesicht auf Armen und Händen ruhend verborgen ist und deren schemenhafter Körper mit dem ihn verhüllenden Kleid eine Einheit zu bilden scheint. Ohne wesentliche Auskragungen des Körpers sind Kopf und gebauschter Rock geöffnet und machen den Körper durchlässig und transparent im Raum wie ein Tubus. Das schemenhafte weibliche Wesen mit leicht gebauschtem Rock ist ein Hauptmotiv vieler Arbeiten der Künstlerin und kehrt in der Ausstellung auch in der stehenden Terrakotta 'Madonna roja' (2013) wieder.

Dem Komplex weiblicher Darstellungen steht der zweite 8-teilige Aquarellzyklus gegenüber: 'Contemporary Faces Mexican' (2011), der im Gegensatz zu den eher tastenden Frauenportraits fast wie eine Setzung wirkt. Die Portraits namenloser mexikanischer Krimineller zeigen einmal mehr Ikemuras Verständnis des Gesichts als Landschaft. Die schwammartigen Aquarellfelder fassen das Abgründige und schwer Fassbare, die gewalttätige und unkontrollierte Physiognomie der Dargestellten auf fast brutale Weise zusammen. Blutunterlaufen erscheinen die rötlichen Portraits der Serie, kalt und zerfressen die grünlichen Arbeiten mit ihren Wasserflecken und immer wieder in fluide Landschaften übergehenden Gesichtszügen. Ikemura lässt die Gesichter der Brutalität zu Bildnissen werden, die die 'espantos', das Grauen und die Geister aus dem Schattenreich Goyas aufrufen.

Leiko Ikemura lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Arbeiten waren in diesem Jahr in einer umfangreichen Einzel-Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen. 2011/12 zeigte das National Museum of Modern Art in Tokyo eine Retrospektive ihres Werks. Weitere bedeutende Ausstellungen hatte die Künstlerin unter anderem im Mie Prefectural Art Museum, Tsu, Japan (2011), im Museum Allerheiligen in Schaffhausen (2008), im Erzbischöflichen Diözesanmuseum Kolumba; Köln (2005), im Museum für Gegenwartskunst Basel (1988) und in der Kunsthalle Nürnberg (1984). 1999 bespielte sie den Japanischen Pavillon auf der Melbourne International Biennial. Seit 1991 ist Leiko Ikemura Professorin an der Hochschule der Künste in Berlin. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen internationalen Museen und privaten Sammlungen vertreten wie bspw. dem Centre Georges Pompidou, Paris, den Kunstmuseen Basel und Bern, dem National Museum of Modern Art, Tokyo, der Sammlung Hoffmann, Berlin, dem Kunstmuseum Bonn, oder der Kunstsammlung der Deutschen Bank.
Leiko Ikemura wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem August-Macke-Preis (2009), dem Iserlohner Kunstpreis (2007) und dem Deutschen Kritikerpreis für Bildende Kunst (2001).

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