Galerie der Moderne Stefan Vogdt Home Artists Exhibitions Inventory Gallery Info

 Back To Current Exhibitions   

Deutschland-Landschaft / Fotografien von Ulrich Schmitt    Oct 28 - Nov 29, 2010


DEUTSCHLAND-LANDSCHAFT / FOTOGRAFIEN VON ULRICH SCHMITT

Eröffnung am 28. Oktober 2010 um 18 Uhr

Ausstellungsdauer:
29. Oktober bis 29. November 2010

Landschaften erfinden

Mit Konzept, Großformatkamera und Bildbearbeitungsprogramm gelangt der Münchner Künstler Ulrich Schmitt zu Landschaftsfotografien, in denen die abendländische Tradition des Genres ihre durchdachte Fortsetzung erfährt.

Der Tag der Entscheidung ist gekommen. Das Wetter verhält sich wie erwünscht. Die Jahreszeit stimmt. Jetzt gilt es die schwere Ausrüstung für die Aufnahme - eine Großformatkamera samt Stativ - an den Ort des Geschehens zu wuchten. Dann fällt das Licht kontrolliert auf die empfindliche Membran des Farbnegativfilms. Ein Stück, einen charakteristischen Ausschnitt von Deutschland - Landschaft, so der Titel der Ausstellung, kann Ulrich Schmitt jetzt nach Hause tragen. Doch das Bild ist noch längst nicht fertig. Im Atelier am Computer bearbeitet der Künstler seine in der Natur eingefangenen Fotografien behutsam mit Bildbearbeitungs-programmen. Mit ihrer Hilfe kann Ulrich Schmitt in den Bildern sein Farbkonzept und seine Vorstellung von einem fertigen Landschaftsbild verwirklichen. Wesentlich inspiriert zu seinem Farbkonzept haben den Künstler dabei die Fertigkeiten untergegangener Berufe wie der Tiefdruckretuscheure aus der Frühzeit der Farbfotografie, die ihre Bilder aus Farbebenen zusammensetzten und abstimmten. Hyperrealismus oder eine perfektionierte Wirklichkeit durch totale Tiefenschärfe interessieren ihn dabei nicht. Die Verselbständigung des Apparateffektes, wie sie andere Fotografen, etwa Andreas Gursky, anstreben, sind nicht seine Sache. Ulrich Schmitt sucht den typischen Moment und charakteristischen Ausdruck einer Landschaft in seinem Bild zu geben. Er weiß, dass die Landschaft nicht einfach da ist, sondern erfunden werden will. Das notwendige Handwerkszeug für diese Bilderfindungen hat sich Ulrich Schmitt auf der Münchner Kunstakademie beim Studium der Malerei bei Gerd Winner in den 80er-Jahren angeeignet, bevor er dann Pinsel, Palette und Staffelei gegen Großformatkamera, Farbnegativfilm, Stativ und ab 2000 computergestützte Bildbearbeitungsprogramme eingetauscht hat.

Die Bedeutung des Konzepts Landschaftsfotografie heute ist schon deshalb eine außerordentlich durchreflektierte Angelegenheit, weil sie sich gegen ein durch die lange Tradition der europäischen Landschaftsmalerei geprägtes kollektives Bildgedächtnis behaupten muss. Motive bekannter Kulturlandschaften wie der Kreidefelsen auf der Insel Rügen oder König Ludwigs Traumschloss Neuschwanstein scheinen fast zu Tode fotografiert zu sein. Nicht nur, aber auch bei solchen Motiven bewährt sich Ulrich Schmitts konzeptuelle Fotografieauffassung. Lange vor der Aufnahme, die dann ziemlich genau in der Mitte des Produktionsprozesses steht, recherchiert der Künstler, sich als Forscher verhaltend, zum Motiv und seiner Geschichte. In ausgedehnten Wanderungen macht er sich mit der Topographie des Motivs und dessen Umgebung genau vertraut. Denn nur so lässt sich der treffende Ort für die entscheidende Aufnahme ermitteln und finden. Zum Einsatz kommt eine Großformatkamera, ausgestattet mit einer leichten Weitwinkeloptik, die dem menschlichen Auge und seiner Brennweite nahe kommt. Verzerrende Perspektiven, wie sie sich aus dem Einsatz von Teleobjektiven ergeben, lehnt Ulrich Schmitt ab. Besondere Sorgfalt legt der Fotograf auch beim Drucken seiner Bilder an den Tag. Er lässt sie auf Büttenpapier im Pigmentprintverfahren drucken. Dabei werden wie in der Malerei Farbpigmente auf organischer Basis verwendet, die diesen Drucken eine sehr lange Haltbarkeit garantieren. Die Konzepthaltung von Ulrich Schmitt erstreckt sich auch auf die Rahmen für seine Bilder, die er selbst entwickelt. Der ausgebildete Maler weiß, dass der Cadre, der von den Renaissancekünstlern entwickelte Hilfsrahmen, durch den man blickt, um den Bildausschnitt festzulegen, auch in der Fotografie entscheidend ist. Ihm wird in der Rahmung des fertigen Bildes die Reverenz erwiesen.

Rüdiger Heise

View :    Past Exhibitions      


 
artnet—The Art World Online. ©2014 Artnet Worldwide Corporation. All rights reserved. artnet® is a registered trademark of Artnet Worldwide Corporation, New York, NY, USA.