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Eröffnung: Sonntag, 27. Juni 2010, 11.30 Uhr
Es spricht: Philipp Kuhn, Baden-Baden und Berlin
„Farben und hart konturierte Formen steigen auf, steigern sich gegenseitig – bis die
Szenerie als eine einzige, betäubende Lichtgestalt vibriert, in deren unsichtbaren
Zentrum die Formen verglühen und die Farben bis zur Unkenntlichkeit verbleichen.“
(Klaus Wittkamp über die Kunst von Hans Kuhn)
Wir freuen uns, Ihnen in unserer Karlsruher Galerie wieder eine hochkarätige Ausstellung präsentieren zu
können, die Arbeiten von Hans Kuhn. Kuhn, ein Künstler aus Baden-Baden stammend, ist ein Maler von
Weltformat. Er war, nach anfänglichem Studium der Kunstgeschichte in München und Berlin Schüler von
Ludwig Meidner und besuchte die Kunstakademie in Berlin. In Paris war er Schüler von Roger Bissière. Fritz
Baumgart schreibt dazu: „Von Meidner konnte er viel über das graphische Handwerk erfahren, von Bissière,
der damals, Mitte der zwanziger Jahre unter dem Einfluss von Braque stand, viel von der Malerei.“ Bissières
Schlüsselwort sei „Iumière“ gewesen, das dieser als in die farbige Fläche eingehendes Licht verstand, so dass
die Farbe unabhängig von einer von außen erfolgenden Bestrahlung Lichtqualitäten aus sich entwickelt.
Beides, das Graphische und die lichterhellte Farbe spielen bei Hans Kuhn, eine substantielle Rolle.
Nach dem Krieg (1947) wurde Hans Kuhn von Carl Hofer an die Hochschule für bildende Künste Berlin
berufen, leitete dort die Klasse für Wandmalerei und übernahm damit eine Aufgabe, die, so Fritz Baumgart,
ihren Niederschlag in seinen Bildern fand: In freskoartigem Farbauftrag und in der ihm eigenen Art „die
Bildfläche dicht zu verweben“. Die das Bild überspannenden Linien ergeben ein sensibles Geflecht, graphisch
und malerisch zugleich, das die Farbflächen überspielt und sie kontrapunktisch steigert.
In Kuhns Bildwelt, die mit dem Beginn der fünfziger Jahre abstrakter wird, erscheinen immer wieder gleiche
Formen, Fragmente des Gegenständlichen: Tore, Boote, Zelte, Meere, Berge, Bäume. Und immer wieder ist es
auch die teils zarte, empfindsame, teils stark leuchtende Farbigkeit, die an südliche Erlebnisse erinnert. An
Eindrücke, die Kuhn bei seinen Aufenthalten am Mittelmeer empfing. Auf Capri, Ischia, in Positano, auf
Sizilien, Fuerteventura und Ibiza. Allerdings ist ihm dabei die mediterrane Landschaft so Klaus Wittkamp „der
Ort, an dem der Künstler als ‚Besessener’ arbeiten kann“. Sie versetzt ihn in einen “Zustand, der ‚Außer-sich-
Sein’ und ‚Bei-sich-selbst-Sein’ in zugespitzter Form vereint. Es ist der Ort der Eingebung, des Ursprungs
künstlerischer Schöpfung; die Stimmlage dort ist selten heiter, oftmals elegisch; die Formen, die dort entstehen,
sind immer erkämpft“.
Signifikant für Hans Kuhns Kunst, gleich ob man von Aquarellen, Gouachen, geschliffenen Lackbildern oder
großformatigen Spachtel-Bilder spricht, ist sein Umgang mit dem Material. Es bezeichnet nicht nur, es ist
zeichenhaft. Sand, Öl, Pigment oder Wasserfarbe werden in einen bildkonstituierenden Prozess eingebunden.
Dazu Klaus Wittkamp: „Farbflächen werden über- und nebeneinander gesetzt und von Gerüsten aus
schwarzen, grauen oder blauen Linien umfangen. Die so entstandenen einzelnen Farbfelder sind überlagert
von Bildfiguren, die eine unabschließbare Reihung von Assoziationen freisetzen. (…) Ein meerblaues Türkis
erscheint, ein sandiges Violettgelb, das Graublau einer Agave, aschenfarbene Vulkanerde, das
sonnengebleichte Grün eines Eukalyptus.“
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