SÄGERAUH - group show curated by Jan Hoet
Eröffnung: Freitag, 21. Oktober 2011, 18 - 22 Uhr
Um 20 Uhr Stimm- und Klangperformance „Steine und Wasser“ von Andrea Nehring.
Jan Hoet und die Künstler sind anwesend.
Sonderveranstaltung im Rahmen des Kunstwochenende München 2011:
Am Samstag, 22. Oktober, 12.30 Uhr spricht Jan Hoet über die Ausstellung.
Wir freuen uns, dass wir für die Ausstellung zum Kunstwochenende München 2011 Jan Hoet,
ehemaliger Leiter des MARTa Herford und der Dokumenta IX, als Kurator gewinnen konnten.
In der Ausstellung „sägerauh“ werden vier Künstler präsentiert, die auf idiosynkratrische Weise ihr
persönliches Erleben der Geschichte erzählerisch und ungeschliffen, sozusagen „sägerauh“,
ausdrücken. Sie nutzen verschiedene Medien wie Malerei, Skulptur, Installation oder Zeichnung und
befragen ihre Kunst nach Veränderung und Intensität in einer Reflexion auf das Leben, das immer
auch im Bezug zur Geschichte steht. Diese Kunst ist ein kommunizierender Prozess aus Material und
Medium, der das Leben als Werkzeug sieht. Alle vier Künstler meiden dabei jede Form von
Manierismus und zeigen Werke, die direkt lesbar, authentisch und persönlich sind.
Karel Dierickx, 1940 in Gent, Belgien, geboren, entwickelte sich als Maler und Zeichner von der
Abstraktion zu einer Malerei, bei der er die Wahrnehmung von klassischen Themen wie Landschaft,
Stillleben oder Porträt fortwährend in Frage stellt. Dierickx schafft eine mehrdeutige Welt, in der
Malerei als ein prozessmäßiges Geschehen erfahren wird. Dadurch offenbart sich ein Spannungsfeld
zwischen der ruhelosen und ungeduldigen Identität des Künstlers einerseits und seiner Wahrnehmung
der Natur der Dinge andererseits. Es ist so, als ob das Leben ständig in Bewegung bleibt,
sowohl „texturell“ als auch strukturell und stets im Wachsen begriffen ist, bis hin zu Metamorphosen
und Antagonismen. Der Künstler vermeidet jede Präzision und enthüllt gleichzeitig, wie er die Welt
beim Malen und Zeichnen erlebt.
Pascale-Marthine Tayou, 1967 in Yaoundé, Kamerun, geboren, wohnt und arbeitet ebenfalls in
Belgien. Der Künstler bezieht sich auf seine Erfahrungen mit der schizoiden Wirklichkeit einer
multikulturellen Gesellschaft und setzt diese mittels Zeichnungen, Skulpturen, Videos und
Installationen in einen Formprozess um. Seine Installationen gleichen phantasmagorischen Paraden
von Ikonen, die aus seiner afrikanischen Vergangenheit hervorgehen und mit dem gemischt werden,
was er in den vielen Metropolen, in denen er auf Durchreise war, an Inspiration aufgegriffen hat.
Im Gegensatz dazu situiert sich das Werk von Jan Van Imschoot, 1963 in Gent, Belgien, geboren,
gänzlich in der Tradition der westlichen Malerei, mit einem Augenzwinkern in Richtung Tintoretto
und seinen turbulenten und dramatischen Gegensätzen von überirdischem Licht und Finsternis, sowie
Manet mit seiner Vorliebe für die Farben der Nacht. Mit der Finsternis als Ausgangspunkt entdeckt
Jan van Imschoot die Notwendigkeit, Licht zu schaffen. Er tut es über Symbole oder durch
besonderes Hervorheben der Umrisse seiner Figuren.
Joris van de Moortel, 1983 in Oostakker, Belgien, geboren und damit der jüngste Künstler der
Ausstellung, schafft skulpturale, räumliche Werke, die er zumeist mit Symbolen aus der Musik, wie
zum Beispiel Musikinstrumenten, und häufig auch mit Klang verbindet. Er konstruiert und
dekonstruiert das verwendete Material zu neuen, rätselhaften Formgebilden. Die Grenzen von
Malerei und Bildhauerei werden durchbrochen, die Arbeiten integrieren sich in den und mit dem
ausgestellten Raum. Diese musikalischen Referenzen prägen nachhaltig unsere Erinnerungen an den
Raum.
Andrea Nehring, 1980 in Wittenberg, Deutschland, geboren, nimmt mit ihrer Performance „Steine
und Wasser“ Bezug auf „sägerauh“, indem sie ihre Suche nach Identität durch das Medium des
Klangs und der Sprache auf emotionale und poetische Weise ausdrückt.
|