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Abstraktion und Informel. Gestische Farbwelten in der Malerei seit 1930 im Kunst-Depot    Aug 25, 2012 - Feb 23, 2013

Paysage (bleu)
Francis Bott
Paysage (bleu), 1964
 
Furioso
Ernst Wilhelm Nay
Furioso, 1963
 
Vorgänge im Lichtkegel
Bernard Schultze
Vorgänge im Lichtkegel, 1997
 
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Abstraktion und Informel
Gestische Farbwelten in der Malerei seit 1930

Verlängerung der Ausstellung bis 23. Februar 2013

Bott, Eble, Götz, Gumpert, Nay, Schultze, Schumacher, Thieler, Trier, Werner, Winter

Gestus, Dynamik, Aktion, Rhythmik, Subjektivität, Struktur, Materialität, Aggression, Poesie … Der Versuch, die malerische Freiheit der abstrakten, gestischen Malerei zu beschreiben, kann nur in Näherungen stattfinden. Eine Malerei, die sich jedem Plan, jeder formalen Komposition, jeder Gegenständlichkeit, jedem Koordinatensystem zugunsten einer malerischen Freiheit und Offenheit entzieht. Eine Malerei, die trotz höchst unterschiedlicher Ausdrucksweisen und individueller Handschriften in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zum letzten grossen internationalen Stil der Kunstgeschichte wurde. Als abstrakte „Weltsprache“ wurde sie von 1946 bis in die 1960er Jahre zur künstlerischen Antwort auf das Unfassbare des Zweiten Weltkrieges, des Nationalsozialismus, des Holocausts, der Bomben auf Hiroshima und Nagasaki. Nicht die Darstellung des Schreckens war ihre Antwort, sondern gerade die Weigerung, sich jeglichen Gesetzen, Regeln, Formen zu unterwerfen, sich jeder Abbildlichkeit zu entziehen.

Die Wurzeln der freien Abstraktion gehen auf die Entwicklung der abstrakten Malerei in den 1910er Jahren durch Kandinsky, Delaunay, Picabia und Kupka zurück. Wichtige Einflüsse waren zudem die gesteigerten Farben und der Ausdruckswille der Expressionisten wie auch die Entdeckung des Unbewussten und der Écriture automatique durch die Surrealisten. In der 1931 in Paris gegründeten kosmopolitischen Künstlervereinigung Abstraction-Création wurden diese Kräfte gebündelt und vorangetrieben. Durch die politischen Umwälzungen der folgenden Jahre verlor Paris jedoch seine Stellung als Zentrum der künstlerischen Avantgarde. Zahlreiche Künstler flohen ins Exil, vor allem nach Nordamerika. Die amerikanischen Künstler erhielten gerade durch diese Exilanten entscheidende Impulse für die Entwicklung des ersten eigenständigen US-amerikanischen Kunststils: Es entstand der abstrakte Expressionismus. Jackson Pollock schleuderte 1946 erstmals Lackfarbe auf eine auf dem Boden ausgebreitete Leinwand. Ein Schlag gegen die bis dahin bestehenden Regeln der Kunst und ein Befreiungsschlag für die amerikanische Kunst. Amerika, vor allem New York, wurde zum neuen Epizentrum der Moderne.

Nachdem die nicht ins Exil gegangenen deutschen Künstler während des Nationalsozialismus von der internationalen Kunstentwicklung abgeschnitten waren, griffen sie nach Ende der faschistischen Herrschaft umso begieriger die abstrakten Tendenzen auf. Trotz Ernst Wilhelm Nay Furioso. Öl auf Leinwand 1963 entschiedener Proteste und dem geballten Widerstand der Künstler und Kritiker, die an der figurativen Malerei festhielten, gründeten sich in der noch jungen westdeutschen Republik zahlreiche Künstlergruppen, die sich der gestischen Abstraktion verschrieben. In Recklinghausen gehörte Emil Schumacher 1948 zu den Gründungsmitgliedern der Künstlervereinigung „junger westen“. Ein Jahr später gründeten Willi Baumeister und Fritz Winter in München die Gruppe ZEN 49, in der u. a. auch K. O. Götz, Ernst Wilhelm Nay, Bernard Schultze, Fred Thieler und Hann Trier ausstellten. Auch die Ausstellungsgemeinschaft Quadriga in Frankfurt am Main und die Gruppe 53 in Düsseldorf gehörten zu den Keimzellen des deutschen Informel. Doch erst 1959 mit der documenta II, auf der auch die amerikanischen Vertreter des Abstrakten Expressionismus ausgestellt wurden, fand die Abstraktion ihre volle Anerkennung. Kurze Zeit später lösten aber bereits Pop Art, Nouveau Réalisme, Minimal und Arte Povera die Kunst der informellen Abstraktion ab.

Die Galerie Henze & Ketterer zeigt in der Ausstellung Abstraktion und Informel. Gestische Farbwelten in der Malerei seit 1930 im Obergeschoss des Kunst-Depots eine Auswahl mit Werken von Künstlern aus dem deutschsprachigen Raum.

Der gesetzte Zeitrahmen geht über die eigentliche Hochzeit der abstrakten Kunst in den 1950er Jahren hinaus. Er umfasst frühe Arbeiten von Fritz Winter aus den 1930er Jahren in denen die Wurzeln der Abstraktion spürbar werden und reicht bis zu den späten Farbwelten Bernard Schultzes aus den 90er Jahren. Neben diesen Positionen zeigt die Ausstellung auch Werke von Francis Bott, Theo Eble, K. O. Götz, Günther Gumpert, Ernst Wilhelm Nay, Emil Schumacher, Fred Thieler, Hann Trier und Theodor Werner, in denen die Energie, die Freiheit und die ungebrochene Moderne der informellen Abstraktion erlebbar werden.

Eröffnung: Samstag 25. August 2012 14-18 Uhr
Ausstellung: 25. August bis 23. Februar 2012
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 10-12 und 14-18 Uhr, Sa. 10-16 Uhr

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