Abstraktion und Informel
Gestische Farbwelten in der Malerei seit 1930
Verlängerung der Ausstellung bis 23. Februar 2013
Bott, Eble, Götz, Gumpert, Nay, Schultze, Schumacher,
Thieler, Trier, Werner, Winter
Gestus, Dynamik, Aktion, Rhythmik, Subjektivität, Struktur,
Materialität, Aggression, Poesie … Der Versuch, die
malerische Freiheit der abstrakten, gestischen Malerei zu
beschreiben, kann nur in Näherungen stattfinden. Eine
Malerei, die sich jedem Plan, jeder formalen Komposition,
jeder Gegenständlichkeit, jedem Koordinatensystem
zugunsten einer malerischen Freiheit und Offenheit
entzieht. Eine Malerei, die trotz höchst unterschiedlicher
Ausdrucksweisen und individueller Handschriften in der
Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zum letzten grossen
internationalen Stil der Kunstgeschichte wurde. Als
abstrakte „Weltsprache“ wurde sie von 1946 bis in die
1960er Jahre zur künstlerischen Antwort auf das
Unfassbare des Zweiten Weltkrieges, des
Nationalsozialismus, des Holocausts, der Bomben auf
Hiroshima und Nagasaki. Nicht die Darstellung des
Schreckens war ihre Antwort, sondern gerade die
Weigerung, sich jeglichen Gesetzen, Regeln, Formen zu
unterwerfen, sich jeder Abbildlichkeit zu entziehen.
Die Wurzeln der freien Abstraktion gehen auf die
Entwicklung der abstrakten Malerei in den 1910er Jahren durch Kandinsky, Delaunay, Picabia und Kupka
zurück. Wichtige Einflüsse waren zudem die gesteigerten
Farben und der Ausdruckswille der Expressionisten wie auch die Entdeckung des Unbewussten und der
Écriture automatique durch die Surrealisten. In der 1931 in Paris gegründeten kosmopolitischen
Künstlervereinigung Abstraction-Création wurden diese
Kräfte gebündelt und vorangetrieben. Durch die
politischen Umwälzungen der folgenden Jahre verlor
Paris jedoch seine Stellung als Zentrum der
künstlerischen Avantgarde. Zahlreiche Künstler flohen
ins Exil, vor allem nach Nordamerika. Die
amerikanischen Künstler erhielten gerade durch diese
Exilanten entscheidende Impulse für die Entwicklung des
ersten eigenständigen US-amerikanischen Kunststils: Es
entstand der abstrakte Expressionismus. Jackson
Pollock schleuderte 1946 erstmals Lackfarbe auf eine auf
dem Boden ausgebreitete Leinwand. Ein Schlag gegen
die bis dahin bestehenden Regeln der Kunst und ein
Befreiungsschlag für die amerikanische Kunst. Amerika,
vor allem New York, wurde zum neuen Epizentrum der
Moderne.
Nachdem die nicht ins Exil gegangenen deutschen
Künstler während des Nationalsozialismus von der
internationalen Kunstentwicklung abgeschnitten waren,
griffen sie nach Ende der faschistischen Herrschaft umso
begieriger die abstrakten Tendenzen auf. Trotz
Ernst Wilhelm Nay Furioso. Öl auf Leinwand 1963 entschiedener Proteste und dem geballten Widerstand der Künstler und Kritiker, die an der figurativen
Malerei festhielten, gründeten sich in der noch jungen westdeutschen Republik zahlreiche Künstlergruppen,
die sich der gestischen Abstraktion verschrieben. In Recklinghausen gehörte Emil Schumacher 1948 zu den
Gründungsmitgliedern der Künstlervereinigung „junger westen“. Ein Jahr später gründeten Willi Baumeister
und Fritz Winter in München die Gruppe ZEN 49, in der u. a. auch K. O. Götz, Ernst Wilhelm Nay, Bernard
Schultze, Fred Thieler und
Hann Trier ausstellten. Auch
die Ausstellungsgemeinschaft
Quadriga in Frankfurt am Main
und die Gruppe 53 in
Düsseldorf gehörten zu den
Keimzellen des deutschen
Informel. Doch erst 1959 mit
der documenta II, auf der auch
die amerikanischen Vertreter
des Abstrakten
Expressionismus ausgestellt
wurden, fand die Abstraktion
ihre volle Anerkennung. Kurze
Zeit später lösten aber bereits
Pop Art, Nouveau Réalisme,
Minimal und Arte Povera die
Kunst der informellen
Abstraktion ab.
Die Galerie Henze & Ketterer zeigt in der Ausstellung Abstraktion und Informel. Gestische Farbwelten in der
Malerei seit 1930 im Obergeschoss des Kunst-Depots eine Auswahl mit Werken von Künstlern aus dem
deutschsprachigen Raum.
Der gesetzte Zeitrahmen geht über die eigentliche Hochzeit der
abstrakten Kunst in den 1950er Jahren hinaus. Er umfasst frühe
Arbeiten von Fritz Winter aus den 1930er Jahren in denen die
Wurzeln der Abstraktion spürbar werden und reicht bis zu den
späten Farbwelten Bernard Schultzes aus den 90er Jahren.
Neben diesen Positionen zeigt die Ausstellung auch Werke von
Francis Bott, Theo Eble, K. O. Götz, Günther Gumpert, Ernst
Wilhelm Nay, Emil Schumacher, Fred Thieler, Hann Trier und
Theodor Werner, in denen die Energie, die Freiheit und die
ungebrochene Moderne der informellen Abstraktion erlebbar
werden.
Eröffnung: Samstag 25. August 2012 14-18 Uhr
Ausstellung: 25. August bis 23. Februar 2012
Öffnungszeiten: Di.-Fr. 10-12 und 14-18 Uhr, Sa. 10-16
Uhr
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