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Giovanni Manfredini 'Opera al nero'    Jan 15 - Apr 16, 2011

Senza titolo. Ohne Titel
Giovanni Manfredini
Senza titolo. Ohne Titel, 2010
 
Tentativo di esistenza. Versuch einer Existenz
Giovanni Manfredini
Tentativo di esistenza. Versuch einer Existenz, 2003
 
Estasi. Extase
Giovanni Manfredini
Estasi. Extase, 2008
 
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Giovanni Manfredini
Opera al nero

Giovanni Manfredini wurde 1963 in der Nähe von Modena geboren. Geprägt von persönlichen Erlebnissen hat Manfredini eine künstlerische Sprache entwickelt, durch die er jedoch weniger seinen Leidensweg als vielmehr eine Botschaft von Zuversicht und Lebenshoffnung vermitteln will. Dies wird durch das Wort "VIVI" – zugleich für "lebendig", "lebst Du?", "Du lebst" und "Lebe!" stehend – nachhaltig zum Ausdruck gebracht, das durch sechs in den Bildträger geschlagene Rostnägel immer wieder im Werk erscheint.

Die Auseinandersetzung mit dem Feuer und mit dem eigenen Körper steht in engem Zusammenhang mit starken Verbrennungen, die sich Manfredini in seiner Kindheit zugezogen hat. Seine Kleidung ging in Flammen auf, als er sich einem Holzofen näherte. Zahlreiche Operationen und äusserst schmerzhafte Hauttransplantationen folgten, die seine eigene Haut ersetzen und erneuern sollten, bis ihm sein Leiden unerträglich wurde und er nicht mehr bereit war, sich weiteren Operationen zu unterziehen. Später wurde eben diese von Wunden gezeichnete Haut das künstlerische Mittel, das Werkzeug für seine künstlerische Botschaft. Keine traditionellen Malwerkzeuge wie Pinsel, Kreide oder Kohle sondern Brust, Arme, Beine und Gesicht wurden an die von Russ bedeckten Oberflächen gepresst, an diesen abgerollt, um so an Fotografie erinnernde Bilder vom eigenen Körper in der Gesamtansicht oder als Detail zu verewigen. Ebenfalls dunkel eingefärbte Eisen- oder Holzrahmen bilden die äussere Abgrenzung, die im Fall der Eisenausführung auch eine Oberflächenreaktion erzeugen und Rost bilden kann.

Der Künstler hat ein Verfahren erarbeitet, das keiner traditionellen Gattung zugeordnet werden kann, jedoch Merkmale von jeder in sich vereint. Er gestaltet sein Werk aus einer Mischtechnik, in der der Künstlerkörper zum Pinsel auf einem Russgrund wird. Auf den Bildträgern - Holztafeln oder Leinwände - wird eine Schicht aus mit Harz abgebundenen, gemahlenen weissen Muscheln aufgetragen, die eine helle, das Licht reflektierende Oberfläche bilden. Nach einem langwierigen Trocknungsprozess, wird diese helle Fläche mit einer Flamme stellenweise oder gar komplett geschwärzt. Auf die so behandelte Oberfläche drückt Manfredini seinen eigenen Körper oder Teile davon und bildet so die für sein Werk typischen Abdrücke. Diese entstehen, indem die dagegen gepressten Partien den Russ absorbieren und helle Flächen mit dem Muschelmehl freilegen. Nicht eine Absonderung, also das Hinzufügen von Material wie man es von herkömmlichen Druckverfahren kennt, lässt ein Abbild entstehen, sondern die Wegnahme von Substanz. Die durch diesen Abdruck-Prozess entstehende absolute Mimesis, die realitätsgetreue Darstellung bis hin zu der Körperbehaarung, den Falten und den Blutgefässen sowie die starken Schwarz/Weiss-Kontraste erwecken oft den Eindruck von Fotografie oder sogar Röntgenaufnahme. Die Chiaroscuro-Effekte sowie das Sfumato der Russ-Schleier lassen hingegen an die Malerei vergangener Jahrhunderte denken. Körperteile – oft auch eines und dasselbe wiederholt in einer Darstellung – oder der ganze Körper erscheinen hell in einer schwarzen Umgebung, die Binnenzeichnung lediglich durch Grauabstufungen ablesbar. Diese im Rauch sich krümmenden, verrenkten oder frontalen Selbst-Bildnisse mit ausgebreiteten Armen, die den schwarzen Hintergründen trotzen, werden in ihrem Schweben nur von dem mächtigen hervorspringenden Rahmen aufgehalten. Sie erscheinen uns wie Metamorphosen des Individuums.

In jüngeren Arbeiten hat der Künstler den menschlichen Körper durch eine kreisrunde Schablone ersetzt. Stand bis dahin das Selbstbildnis und die Frage nach der eigenen Existenz im Mittelpunkt seiner Gemälde, weicht in diesen Werken alles Figürliche einer von grellem Licht beleuchteten, sich vom tiefschwarzen Grund abhebenden hellen, runden Form. Ob es sich um sphärische Gebilde im All, um die Darstellung einer Zelle als Ursprung des Lebens oder um eine weisse Scheibe vor einem schwarzen Hintergrund handelt, kann nicht bestimmt werden. Der Titel dieser Werkgruppe „Estasi" – Extase – umschreibt sehr zutreffend diese schwebenden strahlenden Gebilde, die aus einer anderen Dimension zu kommen scheinen. Im Gegensatz zu den bislang geschaffenen Werken des Künstlers stellen diese perfekten Formen nichts Greifbares dar. Wie in den Körperbildern verwendet der Künstler auch in den „Estasi" ausgeprägte Chiaroscuro-Effekte. Die Motive erscheinen dabei in schwebendem Zustand, da keine Standflächen auszumachen sind und die starke Beleuchtung den Eindruck einer Erscheinung weckt. Wie auch immer sie zu deuten sind, sie werden zum Traumbild, das die Phantasie jedes Betrachters beflügelt.

Unter Einsatz derselben Technik sind nun neue Werke entstanden, in denen Körperabdrücke und Schädel in einen Dialog verwickelt werden. Die weiss belassenen, schwarz eingefärbten oder mit Blattgold bearbeiteten Schädel, die den Tod symbolisieren, schauen auf die Darstellungen des Körpers oder Teile davon, die für deren Auferstehung stehen. Es entstehen auf diese Weise immerwährende Kreisläufe von Licht und Dunkelheit, von Leben und Tod, von Werden und Vergehen. Diese, sowohl was den Aufbau wie auch den Inhalt betrifft, religiös anmutenden Werke bleiben durch den Einsatz des eigenen Körpers sehr weltlich. Ist und bleibt es doch ein lebender Körper, der des Künstlers, der für die Entstehung der Werke eingesetzt wird und der zur Darstellung kommt.

Die Ausstellung „Opera al nero" besteht aus einer repräsentativen Auswahl von neuen und älteren Werken von Giovanni Manfredini, die begleitet werden von einem Video und der Musik von Alessandro Palladini. Inspiriert von dem Entstehungsprozess der Werke ist der Künstler mit einem Feuer zu sehen und die immer wiederkehrenden Klänge erinnern eben an das Knistern eines Feuers. Die Ewigkeit wird thematisiert, genau so wie sie in den neuesten Werken mit den Abdrücken und den Schädeln zur Darstellung kommt. Der Titel der Ausstellung bezieht sich sowohl auf den Einsatz von schwarzen Russpartikeln im gesamten Werk des Künstlers, wie auch auf die begleitende musikalische Untermalung. Der Zyklus wird so immer wieder geschlossen und von eben dem Wort „VIVI" begleitet, das ständig die Existenz in Frage stellt, um sie gleichzeitig zu bejahen.

Alexandra Henze Triebold

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