 |
Mitbegründer des italienischen „Realismo“
Maler, Grafiker und Architekt
Ausstellung zum 10. Todestag Eröffnung: Freitag, 20. April, 19-21 Uhr
Der Realismus ist ganz anders
als die vielen Strömungen und Tendenzen
der modernen Kunstgeschichte.
Der Realismus ist alt wie der Mensch.
Der Realismus erscheint in allen Epochen der Kunst,
in den aktiven, fortschreitenden, aber nicht in den dekadenten.
(Gabriele Mucchi, am 4.9.1988 in einem Brief an Herbert Sandberg)
Gabriele Mucchi hat in drei Jahrhunderten gelebt. Vor 10 Jahren, am 10. Mai 2002 ist er in
Mailand gestorben und wurde auf dem Berliner Friedhof Friedrichsfelde beigesetzt, dort, wo
nicht nur seine Künstlerkollegen Käthe Kollwitz und Otto Nagel begraben sind, sondern auch
seine erste Frau, die Bildhauerin Genni, Jenny Wiegmann-Mucchi.
Es sind die Werke, die von uns bleiben, lautete ein Gruß des Künstlers nach Berlin aus Anlass
zahlreicher Veranstaltungen zu seinem 100. Geburtstag. Eine kleine Ausstellung in der Galerie
der Kunststiftung Poll erinnert jetzt an den vielseitigen uomo filantropo e politico, den Maler,
Grafiker, Designer, Fotografen, Hochschullehrer und Buchautor.
Im Mittelpunkt steht das Gemälde „Das Bombardement von Gorla“ aus dem Jahr 1951 mit
Skizzen, Vorzeichnungen und Aquarellen hierzu. Dieses Bild war 1951, ebenso wie die Arbeiten
von Guttuso, Rivera oder Siqueiros auf der Internationalen Kunstausstellung der Akademie der
Künste am Robert-Koch-Platz ausgestellt und bildete für viele damals das Grunderlebnis eines
Realismus, der grundsätzlicher beeindruckte, als die zu jener Zeit in der DDR propagierte
sowjetische Malerei (Ronald Paris). Dieses Werk war damals zugleich das erste Statement des
späteren Gastprofessors für Malerei an der Kunsthochschule in Weißensee (1956-1961), der
viele Künstler der DDR in ihrem anfangs verordneten, später dann aber kreativ verwendeten
künstlerischen Realismus bestärkte (Uta Baier).
Neben den Arbeiten über die Opfer bei der Befreiung Italiens, wird eine weitere wichtige Arbeit
aus der Sammlung der Akademie der Künste zu sehen sein, die 1955 in Berlin entstanden ist:
Ingrid Schmidt (Gli amanti berlinesi)“. Fotografien, die zwischen 1937 und 1945 auf der Insel
Procida im Golf von Neapel entstanden sind sowie exemplarische Beispiele erinnern an den
Fotografen, Architekten, Städtebauer und Designer aus Mailand der 20er und 30er Jahre. Mit
Plakaten, Fotos, Kritiken und anderen Zeitzeugnissen wird zurückgeblickt auf einen Wanderer
zwischen den Welten und Fronten eines schwierigen Jahrhunderts - ein Rückblick auf einen
Künstler, der sich immer in einer großen realistischen Tradition europäischer Malerei sah, die er
anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde an der Berliner Humboldt-Universität in der
inzwischen berühmt gewordenen Vorlesung über Caravaggio beschworen hat, der für ihn nicht
der letzte Maler der Klassik, sondern der erste Maler der Moderne gewesen ist.
|