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'mit Blei- und Farbstift: zeitgenössische Zeichnungen'    Feb 11 - Apr 28, 2012


Danja Akulin, Martina AltSchäfer, Matthias Beckmann, Mutsuo Hirano, Hannes Kater, Ralf Kerbach, Alexander Johannes Kraut, Anne Rinn

Ausstellungsdauer: 11.2.-28.4.2012
Eröffnung: Freitag, 10.2., 19-21 Uhr

Die Ausstellung vereint zeitgenössische Arbeiten auf Papier von acht Künstlern: Das Spektrum reicht von klassischen Zeichnungen über wandfüllende Papiere, aufgezogen auf Leinwand, dem Einsatz von Sand beim Zeichenprozess bis zu Wandinstallationen. So dokumentiert die Ausstellung den unterschiedlichen künstlerischen Umgang mit dem Papier, der in gegenständliche und abstrakte Darstellungsformen ufert - narrative und figurative Arbeiten sowie Zeichnungen ohne konkrete Formen werden zu sehen sein, eine Spannbreite an Werken, die zeigen, wie der Künstler sein Werkzeug einsetzt und beherrscht - die Lust am kreativen Experimentieren.

Danja Akulin (*1977 Leningrad, SU) studierte von 2000-2005 bei Georg Baselitz an der UdK, Berlin, danach absolvierte er dort das Advanced Master Program in der Klasse von Daniel Richter. Seine schwarz-weißen, konzeptionellen Zeichnungen, die er selbst ästhetisch minimalistisch nennt, zieht der Künstler auf Leinwand auf, so dass sie wie Bilder erscheinen. Seine Motivwahl reicht von Selbstportraits über Stilleben bis zu Symbolen und Zeichen. Dabei legt er mittels des Zeichenprozesses die graphische Struktur von Objekten frei, um, das Skizzenhafte betonend, sie in eine Art Entwurfszustand zu überführen. Sein Spiel mit Licht und Schatten und mit der sinnlichen Wahrnehmung ist seine Antwort auf die heutige Zeit der alles bestimmenden Massenmedien.

Die farbig sinnlichen Zeichnungen in Pastell und Farbstiften der Klapheck-Schülerin Martina AltSchäfer (*1960 Rüsselsheim) transportieren Vollkommenheit, Ordnung, Harmonie und ornamentale Schönheit. Dies erreicht die Künstlerin mit einer virtuosen Technik, die sie sich theoretisch und zeichnerisch intensiv erarbeitet hat. Basierend auf der Auseinandersetzung mit bildnerischen Ordnungsprinzipien der Kunstgeschichte wie z.B. dem Goldenen Schnitt oder dem Kubismus, entwickelt sie ein eigenes System, in das sich geometrische Elemente wie Diagonalen, Kreise und Linien einfügen.

Matthias Beckmann (*1965 Arnsberg) hat in den letzten Jahren immer wieder die Inszenierung und Betrachtung von Kunst und Kultur an ausgewählten Orten zum Thema umfangreicher Serien gemacht, so zum Beispiel die in der Ausstellung gezeigte Folge von Proben der Oper von Christoph Willibald Glucks „Armida“ an der Komischen Oper Berlin. Die streng linearen Bleistiftzeichnungen spielen mit Gestaltungsmitteln, die wir aus Fotografie und Film zu kennen scheinen – wechselnde Perspektiven, zuweilen willkürlich erscheinende Realitätsausschnitte, das Zoomen zwischen Totale und Detail. Die einzelnen Zeichnungen der Serie ergänzen sich gegenseitig und ergeben in ihrem Zusammenspiel ein Porträt des Ortes oder der Situation. Dabei unterscheidet der Künstler nicht zwischen Wichtigem und Nebensächlichem, sein Stift und die Linienführung, die aus reiner Kontur besteht, lässt in der Gestaltung keine Hierarchie der Dinge erkennen.

Mutsuo Hirano (*1952 Hyogo, Japan) studierte Germanistik an der Tenri Universität (Japan), bevor er es ab 1975 an der Philipps-Universität Marburg in Deutschland fortsetzte; dort nahm er auch sein Kunst- und Kunstgeschichtsstudium auf, das er 1990 abschloss. Die ausgestellte Serie „Blätter der Psychose“ bezieht sich inhaltlich auf das Neue Testament – die Apokalypse. Er setzt diesem Thema jedoch eine positive Akzentuierung entgegen, indem er florale Elemente dem Zerfall und dem Untergangsmotiv als Botschaft des Wachstums gegenüberstellt. In der Bildsprache sind Motive des Neuen Testaments sowie Zitate aus der orientalischen und asiatischen Kunst vereint.

Nachdem Hannes Kater (*1965 Berlin) von 1991–1998 an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studiert hatte, war er Meisterschüler bei Prof. Raimund Kummer. Zuletzt erhielt er 2011 ein Arbeitsstipendium des Kunstfonds Bonn. Katers „Tageszeichnungen”, mit denen er sein Zeichen-Vokabular entwickelt und pflegt, sind die Basis für seine erzählerischen Raumbilder, die er „Raumzeichnungen” nennt. Ob direkt auf die Wand, auf geschnittenem und dann in den Raum ragendem Styropor oder auf Papier: Zeichen und Informationen bilden raumfüllende Beziehungsgeflechte. Sie zeigen Verkettungen von Figuren, sozialer Bezüge und vielschichtiger Ordnungsmuster, und der Betrachter ist eingeladen, Fragen zu stellen, um über die Grenze der Wand hinaus das Rätsel seiner Zeichnungen und Zeichen zu entschlüsseln.

Die Arbeiten Ralf Kerbachs (*1956 Dresden), Professor an der Kunsthochschule Dresden, strahlen vordergründig eine wohltuende Insichgekehrtheit aus, die jedoch bei näherer Betrachtung in mit klaren Linien erzählte Geschichten zerbricht. Seine Arbeiten sind voller Kraft und Leidenschaft, mit eigenwilligem, aber treffendem Humor und Ironie gewürzt. Kerbach gehört zusammen mit Malern wie Lutz Fleischer, Cornelia Schleime, Hubertus Giebe und Wolfgang Smy zur letzten Generation junger Dresdner Maler, die sich in der zweiten Hälfte der 70er Jahre mit ihrem Neoexpressionismus gegenseitig inspirierten und das Publikum elektrisierten. Dann verließ ein Teil von ihnen, überdrüssig der Verdächtigungen und Behinderungen von Seiten der Staatsmacht, die DDR. Auch Kerbach wurde ein “Ausgebürgerter”; er ging 1982 nach Westberlin. Als östlicher Gegenpart zu den Jungen Wilden des Westens hatte er gegen Malströme beliebiger Markthörigkeit anzukämpfen.

Alexander J. Kraut (*1965 Bernbeuren am Auerberg) studierte an der Akademie für Bildende Künste in Stuttgart bei Prof. Rudolf Schoofs und Prof. Marianne Eigenheer. Der Künstler erhielt u.a. 1999 ein DAAD-Stipendium in New York, 2001 den 1. Preis beim Wettbewerb „Linolschnitt heute V“ und 2004 ein einjähriges Stipendium der Cité des Arts, Paris. Seine Papierarbeiten zeichnen sich durch einen Strich aus, der gleichsam leicht und schwer wirkt, dicht und vereinzelt; dieser Gegensatz verleiht den Zeichnungen ihren starken Charakter. In seiner ausgestellten Serie „Sandlicht“ verwendet Kraut während des Entstehungsprozesses Wüstensand, um die Struktur des Bleistiftstrichs zu verändern und zu verfeinern.

Anne Rinn (*1968 Tübingen) studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und am Surikow-Institut Moskau, wo sie 1994 ein DAAD-Stipendium erhielt. Weitere Stipendien, wie das Arbeitsstipendium der Stiftung Kulturfonds Berlin 1998, folgten. Ihre Tuschezeichnungen sind mit klaren Umrisslinien ausgeführt und geben einen Einblick in eine eigentümliche Maschinenwelt. Energien werden gebündelt, Räderwerke in Gang gesetzt, Maschinenteile wachsen organisch zusammen, andere stoßen sich ab. In dieses Netzwerk setzt Rinn menschliche Gestalten und reflektiert so das Verhältnis von Mensch, Wissenschaft, Technik und Natur.

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