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Erich Reusch: Im Prinzip der ersten Abteilung    Sep 21 - Nov 9, 2013

o.T. / Untitled
Erich Reusch
o.T. / Untitled, 2013
 
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Erich Reusch
o.T. / Untitled, 2011-2013
 
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Erich Reusch
o.T. / Untitled, 2011
 
Untitled (diptych)
Erich Reusch
Untitled (diptych), 2013
 
  
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Erich Reusch
Im Prinzip der ersten Abteilung

Berlin – Zu Beginn der neuen Saison eröffnet Aurel Scheibler 'Im Prinzip der Ersten Abteilung', eine Einzelausstellung von Erich Reusch (geb. 1925), die neue Arbeiten des Künstlers zeigt. Mit unregelmäßigen Formen, unerwarteten Farbkombinationen und freifließenden Konfigurationen führt Reusch seine Suche nach dem Raum-Bewusstsein, die er vor sechs Jahrzehnten begonnen hat, weiter. Im Prinzip der Ersten Abteilung läuft vom 21. September bis zum 9. November und eröffnet am Freitag, dem 20. September. Auf der Berliner Messe abc präsentieren wir ebenfalls eine Auswahl von Reuschs Arbeiten. Die Art Berlin Contemporary findet vom 19. bis zum 22. September am Gleisdreieck statt.

Der Raum als vibrierende, pulsierende und sich ständig verändernde und verwandelnde Entität treibt Reuschs Schaffen, in der er das Visualisieren und Spürbar-Machen des beweglichen Musters von Energien und Kräfte des Raumes darstellt. Die Auswirkung dieser Strömungen auf Menschen und Dinge im Raum ist kein Randphänomen für Reusch, sondern ein essenzielles Element seines Oeuvres. Als Max Imdahl den Künstler 1976 in einem Gespräch fragt, ob die Möglichkeiten des Raumerlebnisses für den Menschen auch Möglichkeiten des Selbsterlebnisses sind, antwortet Reusch dezidiert: 'Das ist eine unteilbare Durchdringung. Es ist mir sehr wichtig, dass der Mensch innerhalb der Räume seine Bestimmung bekommt, seinen Maßstab erhält.

Die Erkentniss, dass Masse und Volumen den Raum, anstatt ihn zu visualisieren, ihn okkupieren, bewegt Reusch zutiefst. Aus dieser Einsicht entsprangen seine Suche nach Formen, die das traditionelle Sehen herausfordern und das Bestreben dem Beobachter ein Gefühl für die Schichten-Struktur und Endlosigkeit des Raumes zu vermitteln. Die Gravitation mit ihren neuen Interpretationen und neuen Beziehungen zu dem großen, kosmischen Raum, beanspruchte Reuschs Denken. Giacomettis große schreitende Figur hatte den weiten Raum, als simultanes Phänomen, dargestellt. Reuschs Suche jedoch war Eine nach noch größeren Räumen und Distanzen, nicht als simultane Erlebnisse, sondern als Bewusstseinsphänomen. Zum Beispiel: Die Vorstellung zweier Formen, Eine in Köln und Eine in München, kombiniert mit dem Wissen um deren beider Existenz und damit deren Bezüglichkeit würde eine 500-km-lange Skulptur hervorrufen. Dass der Verzicht auf die synchrone Wahrnehmung und die Gleichzeitigkeit zugunsten der Kenntnis um die betroffene Distanz einen neuen Raum kreiert, hat den Künstler intensiv beschäftigt.

Lange vor den amerikanische Minimalisten, die sowohl im eigenen Land als auch in Europa als die Protagonisten einer neuen bahnbrechenden Herangehensweise in der Kunst gefeiert wurden, hatte Reusch bereits Skulpturen entwickelt, die sich zu einer sehr klaren und rigorosen Kursänderung bekannten. In den 1950er Jahren kreierte er Plexiglasreliefs aus transparenten, perforierten Scheiben mit hervorstechenden, farbigen, filigranen Stäben, die in ihrer Unmöglichkeit auf einen Blick absorbiert zu werden, einen neuen visuellen Ansatz hervorbringen. Mit horizontal ausgelegten Skulpturen leistete Reusch ab 1956 Pionierarbeit, indem er sich, Jahre vor Carl André und Richard Serra, von der Skulptur auf dem Sockel und der damit verbundenen Vertikalorientierung löste. Ende der 1960er Jahre visualisierte er den Raum in Form von elektrostatischen Plexiglaskästen. Mit Konzepten für Akustik- und Licht-Installationen, werden die rauminhärenten Energien, Schwingungen und Bewegungen immer wieder zum Thema. Reuschs vollständiges Oeuvre ist eine Auseinandersetzung mit dem Wesen des Raumes, mit den wechselnden Erlebniszonen, mit dem ‚Präsenten’ und dem ‚Dazwischen’.

In der Ausstellung Im Prinzip der Ersten Abteilung verlagert sich der Umgang mit dem Raum, der vormals meistens auf einer dreidimensionalen Ebene stattfindet, auf eine abstrahierte Zweidimensionale. Auf der singulären Leinwand sowie teils fragmentarischen, planen Wandobjekten oder mehrteiligen Werken setzt sich Reusch mit Spannungsfeldern sich kontrastierender Farbflächen auseinander. Diese Spannungsfelder wirken nicht nur innerhalb der Grenzen des Werkes, sondern entstehen gerade bei den monochromen Fragmenten erst im Bezug zur Umgebung, der leeren Wand. In flüchtigen Bahnen, nuancierten Akzenten und zahlreichen Freiheitsgraden in der Installationsweise, kommt der Kern Reuschs Arbeit – 'die Inszenierung einer Poetik des Offenen, Freien und vermeintlichen Zufälligen' – deutlich zum Ausdruck. Dass dabei der Eindruck entstehen könnte, man sei Teil einer räumlichen Utopie, entspricht ganz dem Grundansatz des Künstlers.

Reusch (geb. 1925) studierte Bildhauerei und Architektur an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Ab 1953 arbeitete er als Architekt, bis er sich Mitte der 1960er Jahre vollständig der Kunst widmete. 1975 wurde er zum Professor an der Kunstakademie Düsseldorf ernannt und auf den eigens für ihn geschaffenen Lehrstuhl 'Integration Bildende Kunst und Architektur' berufen. Mit einer großen Bodenplastik war Reusch 1977 an der documenta 6 in Kassel beteiligt. Im Jahr 1990 wurde er emeritiert und 2010 zum Ehrenmitglied der Kunstakademie Düsseldorf ernannt. Reusch lebt und arbeitet in Neuenrade.

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