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Eröffnung: 05. Februar 2010, 18 - 21 h
Thomas Rentmeister ist bekannt für seine großformatigen
Polyesterplastiken und die Verwendung von vorgefertigten
Markenprodukten, wie Tempotaschentüchern, Penatencreme
und Nutella in riesigen Dimensionen und ungewöhnlichen
Zusammenhängen. Wie aber würde es aussehen, wenn
Thomas Rentmeister anfinge zu malen?
Einen Eindruck davon vermitteln einige seiner neuen Arbeiten.
Selbstverständlich sind die Naturholzkästen weit von der
klassischen Technik entfernt, Farbe auf eine Leinwand
aufzutragen. Und dennoch erkennt man in ihnen Kompositionsprinzipien der abstrakten Malerei
wieder, wie sie von Kandinsky oder Schwitters formuliert und verwendet wurden. Auch Rentmeisters
Arbeiten basieren auf geometrischen, vereinfachten Formen, die sich über die Fläche ausbreiten und
Akzente setzen. Ergänzend schlängeln sich Linien über die Bildfläche, durchkreuzen den Bildraum in
einer angedeuteten Diagonale oder bauen eine Spannung zwischen den einzelnen Elementen auf.
Zusätzlich zu diesen kompositorischen Aspekten haben die Werke eine weitere Dimension: Sie
bestehen aus bereits vorgefertigten Formen, aus Gebrauchsgütern des alltäglichen Lebens, die eine
mehr oder weniger zufällige Anordnung erfahren haben.
Tritt man nah an die Arbeiten heran, erkennt man dort Ohrenstäbchen, Wattebäusche, Tampons oder
Zuckerwürfel, die mit gelbem Pattex verklebt sind. Sie fügen sich zu Kreisläufen zusammen, die an
Experimente erinnern. Vorherrschend ist die Farbe Weiß, die Verbindungen zu medizinischen
Räumen und somit zu Körperlichkeit und Ausscheidungen aufruft, die auch den verwendeten
Hygieneprodukten immanent sind. Durch die gelbe Farbe und Konsistenz des Pattex - Klebers steigert
sich diese Assoziation bis zum Auslösen eines Ekelgefühls. Die psychologische Komponente des
Materials ergibt, in Kombination mit der Assoziation einer Versuchsanordnungen und der
Wahrnehmung der Arbeiten als Bilder oder Collagen, ein verwirrendes Spiel mit bewusster und
unbewusster Kognition, dem sich der Betrachter nicht entziehen kann. Obwohl klar ist, dass die
einzelnen Objekte keine wirkliche Funktion erfüllen können, scheinen sie sich zu einem sinnentleerten
Scheinsystem zu formieren, in dem Ordnung und Zufall Hand in Hand gehen.
Die Integration von festgeschriebenen Konnotationen und die ironische Sinnentleerung prägen
Thomas Rentmeisters Oeuvre und auch seine neueste Arbeit „Der Staatsanwalt“. Bei ScheiblerMitte
wird sie jetzt zum ersten Mal zu sehen sein. Sie spielt mit der Form eines überdimensionierten
Regenschirm-Ständers, der aussieht wie ein stählerner Regenschirm, der reduziert auf sein
minimalistisches Gerüst seiner Funktionalität beraubt wurde und zur reinen Form erstarrt. An den
Ecken hängen zapfenartige, mit weißer Wolle umhäkelte Formen. Die Schwere des Materials und die
Größe der Plastik werden durch die Profanität des dargestellten Produkts und dessen konnotierte
Leichtigkeit ironisch gebrochen.
„Der Staatsanwalt“ ist Thomas Rentmeisters erste Einzelausstellung in einer Galerie in Berlin. Bei
ScheiblerMitte werden in einem fantastischen Querschnitt die verschiedenen Ansätze von Thomas
Rentmeisters bildhauerischem Schaffen gezeigt. Ergänzt durch die neuesten Entwicklungen seiner
Arbeit und durch seine Entwurfsskizzen, gewährt diese Ausstellung einen einzigartigen Einblick in die
experimentelle Arbeitsweise, die Thomas Rentmeisters Kunst zugrunde liegt.
Rentmeisters Arbeiten wurden in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt (u. a. im Centraal Museum
in Utrecht, im Haus am Waldsee und im Hamburger Bahnhof in Berlin) und befinden sich u.a. in den
Sammlungen des Kunstmuseums Bonn, des MARTa Herford Museums und des Museums Boijmans
van Beuningen. Er ist Professor für Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in
Braunschweig.
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