Richard Estes 'Die Serigraphien'

Richard Estes 'Die Serigraphien'

d-train by richard estes

Richard Estes

D-Train, 1988

urban landscape iii by richard estes

Richard Estes

Urban Landscape III, 1981

Thursday, May 29, 2008Thursday, July 31, 2008


Filderstadt, Germany

Richard Estes
D-Train, 1988, Siebdruck, gedruckt mit 212 Farben, Auflage: 125 Exemplare + 15 AP's. Format: 107 x 195 cm

'Die Serigraphien' und viel Wissenswertes über die Ikonen des Siebdrucks

Die Ausstellung ist geöffnet vom 29. Mai - 31. Juli 2008 Montag bis Donnerstag, 9.00 - 16.00 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung 0711 77 20 40

210 Farben für Richard Estes...

Der amerikanische Fotorealist Richard Estes benutzt in seinen Schaufensterbildern die Spiegelreflexe der Scheiben als Medien einer verschachtelten Wirklichkeit. Die Malerei schafft mit realistisch-figurativen Mitteln eine Realitätsverdoppelung. Durch und bei Domberger entdeckte Estes eine für ihn völlig neue Technik und war so begeistert, dass er während dieses Schöpfungsaktes immer wieder wochenlang im Studio war, um die wichtigsten Phasen selbst zu überwachen, aber auch, um Schablonenfilme selbst zu schneiden.

Neben den über 30 kleinformatigen Serigraphien entstand 1980 innerhalb von sieben Monaten eine Graphik, die zur umfangreichsten und außergewöhnlichsten Arbeit wurde, die man bis dahin bei Domberger produzierte: die Serigraphie "Holland Hotel" im Format 119 x 190 cm mit nicht weniger als 210 Farben.

Für diese Arbeit musste eine eigens angefertigte Siebdruck-Presse aus Schweden eingeflogen werden.
1988 folgte die Produktion der noch größeren Serigraphie “D-Train”. Insgesamt ließ er mehr als 200 einzelne Farben für diese Arbeit drucken. Als Vorlage diente ein von ihm im Detail nicht fertig gemaltes Bild in Originalgröße.

Manchmal ist es zum Heulen... Nicht immer war es möglich, den Vorlagen von Richard Estes zu entnehmen, wie sich der Künstler das eine oder andere Detail in Form und Farbe vorstellte. Deshalb wurden Fotos angefertigt und dem Künstler zugeschickt, damit er seine Vorstellungen erläutern konnte. Diese Zustandsfotos lassen erahnen, welche unglaubliche Detailarbeit im Siebdruckstudio geleistet werden musste. So wird auch verständlich, dass die Produktionszeit für die zweite große Estes-Arbeit "D-Train" ein ganzes Jahr erforderte.

Wie sehr um die perfekte Umsetzung der künstlerischen Absicht gerungen wurde, geht auch aus einer Episode hervor, die Michael Domberger zu erzählen weiß. Richard Estes versuchte am Beginn der Zusammenarbeit, seine Siebdruckform im Sinne des Wortes zu malen. Der Druckfachmann Domberger musste ihn mit Worten und Beispielen überzeugen, dass die Siebdrucktechnik bei sachkundiger Handhabung eine höhere Schärfe in der Wiedergabe von geradlinigen Formen erlaubt, als ein ausgeführter Pinselstrich. Michael Domberger demonstrierte, dass geradlinige Formen in Folie geschnitten genau die hyperrealistische Präzision entstehen lassen, für die der Künstler nun mal berühmt ist.

Derartige Auseinandersetzungen führten zur Frustration beider Partner. Dies hatte zur Folge, dass Richard Estes sich, als er nach einem Jahr das zweite Mal aus den Vereinigten Staaten angereist kam, merkwürdig wortkarg verhielt. Auch Michael Domberger blieb still, er wollte den Künstler bei der Verwirklichung des neuen Projektes auf keinen Fall belehren oder verärgern. So geschah längere Zeit nichts. Bis Richard Estes eines Tages bemerkte: "Ich will diesmal nicht kämpfen, sondern hören." Daraufhin gingen beide an die Arbeit. Es entstanden Serigraphien von seltener Präzision und malerischer Schönheit, eben echte Estes-Werke.

Text: Claus Froh aus " Des Künstlers Dritte Hand" - Domberger oder die Geschichte der Serigraphie