Jimmy Nelson: Before They Pass Away

Jimmy Nelson: Before They Pass Away

rauwhiri winitana paki taupo village, north island, new zealand by jimmy nelson

Jimmy Nelson

RAUWHIRI WINITANA PAKI TAUPO VILLAGE, NORTH ISLAND, NEW ZEALAND, 2011

gogine boys goroka, eastern highland, papua new guinea by jimmy nelson

Jimmy Nelson

GOGINE BOYS GOROKA, EASTERN HIGHLAND, PAPUA NEW GUINEA, 2010

gauchos, argentina by jimmy nelson

Jimmy Nelson

GAUCHOS, ARGENTINA, 2011

goroka, eastern highlands, papua new guinea by jimmy nelson

Jimmy Nelson

GOROKA, EASTERN HIGHLANDS, PAPUA NEW GUINEA, 2010

bodita, arboshash & nirjuda, dassanech tribe <br />omorate village, southern omo valley, ethiopia by jimmy nelson

Jimmy Nelson

BODITA, ARBOSHASH & NIRJUDA, DASSANECH TRIBE
OMORATE VILLAGE, SOUTHERN OMO VALLEY, ETHIOPIA,
2011

nyerere & lewangu kaisut desert, kenya by jimmy nelson

Jimmy Nelson

NYERERE & LEWANGU KAISUT DESERT, KENYA, 2010

Saturday, March 8, 2014Saturday, April 19, 2014

Kantstrasse 149
Berlin, Germany

CAMERA WORK und CWC GALLERY
präsentieren:

Jimmy Nelson
Before They Pass Away

Ausstellung ab dem 8. März 2014
CAMERA WORK ⋅ Kantstraße 149 ⋅ 10623 Berlin · Di–Sa 11–18 Uhr
CWC GALLERY · Auguststraße 11–13 · 10117 Berlin · Di–Sa 11–19 Uhr


CAMERA WORK und die CWC GALLERY freuen sich, ab dem 8. März 2014 die international mit Spannung erwartete Ausstellung »Before They Pass Away« von Jimmy Nelson zu präsentieren. Die weltweit erstmalig gezeigte Ausstellung gibt mit über 80 Werken einen Einblick in die epochale Serie »Before They Pass Away«, die zur Würdigung des Künstlers und aufgrund des Umfangs des Schaffenswerkes zeitgleich in den Galerien CAMERA WORK und CWC GALLERY gezeigt wird. Noch nie zuvor wurde diese Ehre einem Künstler bei CAMERA WORK zuteil.

»Einzigartig« umschreibt die von Jimmy Nelson Porträtierten in vielerlei Hinsicht am treffendsten: Derart unvergleichbar faszinierend sind die rot, gelb und weiß geschminkten Huli Wigmen aus Papua-Neuguinea, so exotisch ist der Karo-Stamm aus Äthiopien und so ergreifend das Himba-Volk in Namibia. Stammesvertreter der letzten indigenen Völker auf der Erde sind die Protagonisten der Photographien des Künstlers Jimmy Nelson. Die Arbeiten gehen weit darüber hinaus, die vage Vorstellung der Öffentlichkeit über deren Existenz mit einem nüchternen visuellen Beleg zu bedienen. Jimmy Nelson schafft mit seiner epochalen Serie ein Bewusstsein für die faszinierende Vielfalt der kultur-, und geschichtsträchtigen Symbole dieser Völker, die Zeugenschaft über deren Riten, Bräuche und Traditionen abliefern. Seine Reisen führten Nelson unter anderem nach Äthiopien, Tansania und Kenia, nach China und Nepal oder auch nach Sibirien und durch die Mongolei. Der kulturelle Reichtum der indigenen Bevölkerung dieser Länder differenziert sich bei jedem einzelnen Stamm auf jeweils eigene Weise neu und andersartig aus. Über die prunkvollen Pelzgewänder der Kasachen aus der Mongolei, die farbenprächtigen Tücher der Massai in Tansania, den Perlen- und Federschmuck der Einwohner Gorokas in Papua-Neuguinea, die tätowierte oder kunstvoll bemalte, aber auch die ungeniert bloß gezeigte nackte Haut der Kara in Äthiopien wird der Betrachter im Exotisch-Unvertrauten mit dem genuin Anderen konfrontiert. Eine mitunter gar mystische Atmosphäre wird evoziert. Der positiven Irritation über die real existente Mannigfaltigkeit der kulturellen Hervorbringungen der Erdbevölkerung wohnt zugleich ein mahnender Appell zu deren Schutz und Bewahrung inne. Neben der Befremdung wird eine Brücke geschlagen über den all diese kulturellen Artefakte einenden Ausdruck des Bemühens um Schönheit, der sich auf der Ebene der Bildkomposition und -ästhetik wiederholt und so schließlich auch den Betrachter über die ästhetische Empfindung integriert.

Jimmy Nelson ist kein Wissenschaftler, vielmehr erzählt er Geschichten und lässt dem Rezipienten Raum für Fragen, anstelle diese vorab beantworten zu wollen. Dies gelingt ihm dank eines auf der ethnologischen Ebene bisher einzigartigen stilistischen Ansatzes. Die in der Ausstellung über 80 – teilweise großformatigen – Arbeiten entziehen sich einer klaren Kategorisierung: Sie oszillieren zwischen visuellem Authentizitätsbeleg und Ausdruck eines gemäß Leitmotiven von Schönheit, Stolz und Würde verpflichteten Kompositionskalküls. Stolz und Würde strahlen auch die Blicke der Stammesvertreter in den Porträts aus, die kraftvoll genug sind, auch vor häufig ganz ausgeblendetem Hintergrund über sich selbst hinaus zu weisen, eben jene Geschichten zu erzählen, die Jimmy Nelson auf seinen Reisen gefunden hat. Aus dem direkten Blick eines der Dassanetch-Mädchen in die Kamera spricht ein geradezu herausforderndes Selbstbewusstsein, das sich auch aus der Gewissheit der Einbettung in den Stammeszusammenhalt zu speisen scheint, wie die Vertrautheit und Schutz suggerierenden Gesten zwischen den drei Mädchen nahelegen. Gleichermaßen schwingt im in die Ferne schweifenden Blick der beiden anderen eine Schwermut aber auch Grazie über den Moment des Photographiertwerdens mit. Sanftheit und Stärke zugleich sprechen wiederum aus den Augen des Maori-Mädchens, das ein reich mit Federn bestücktes Gewand trägt.

Die Photographien verführen geradezu, indem sich darin über den Schmuck und die Bemalungen ihrer Protagonisten eine Welt an unbekannten Zeichen eröffnet, deren Referenzwerte sich dem Betrachter entziehen. Zugleich finden sich etwa in der Weise der Positionierung der Stammesvertreter vor episch anmutenden Landschaften Ikonografien, die dem Fundus des Rezeptionshorizonts der globalisierten Welt entlehnt sind. Von Berggipfeln und Anhöhen übersehen die Protagonisten ihr Territorium, mit dem sie zugleich in harmonischer Einheit verbunden zu sein scheinen, wie damit auch ein eindeutiger besitzmarkierender Gestus einhergeht. Pfeil und Bogen, wie sie die beiden Männer auf Vanuatu bei sich tragen, oder die Positionierung mit in die Erde gerammten Speerenden der drei hinterrücks photographierten Männer des Samburu-Stammes, unterstreichen diesen Gestus zusätzlich. In den Werken überlagern sich also verschiedene Betrachtungsebenen. Die Authentizität ihres Inhalts wirft den Betrachter zugleich darauf zurück, innerhalb welchen Rahmens er diese attestieren kann.
Der Körper ist für die Protagonisten Schmuck gleich dem, mit dem er versehen ist. Dieses Spiel mit Zeichen, das Nelson in seiner Bildsprache wiederholt, schreibt den Arbeiten eine Doppelbödigkeit ein, ist letztlich auch ein Spiel mit dem Schein. Diesen zu hinterfragen ist eine der zentralen Botschaften, die Nelson für sich auf seinen Reisen mitgenommen hat.

Über Jimmy Nelson
1967 in Kent geboren, ist Jimmy Nelson seit 1987 als Photograph tätig. Bereits nach seinem Schulabschluss durchquerte er zu Fuß auf einer einjährigen Reise Tibet und ermöglichte mit seinem photographischen Tagebuch der Öffentlichkeit Einblicke in ein bisher unzugängliches Land. Einer Vielzahl an aktuellen kulturellen Themen, mit deren photographischer Dokumentation er betraut war, schloss 1994 das 30-monatige Projekt »Literary Portraits of China« an. Die Werke wurden nach Abschluss zunächst im Palast der Republik auf dem Tiananmenplatz präsentiert und begründeten eine weltweite Ausstellungstour. Neben seiner erfolgreichen Tätigkeit als professioneller Werbephotograph, vertiefte Nelson diesen ethnologischen Ansatz seiner künstlerischen Arbeit. Das einzigartige visuelle Resultat seiner Arbeit mit einer über 50 Jahre alten Plattenkamera von 13 Reisen in über 40 Ländern mündete durch die überwältigende internationale Resonanz schließlich in seiner monumentalen Serie »Before They Pass Away«. Den letzten indigenen Völker setzt er damit ein stilistisch einmaliges Denk-, der Öffentlichkeit ein Mahnmal derer gefährdeten Existenz. Jimmy Nelsons Enthusiasmus, mit dem er seine Arbeit verfolgt, speist sich nicht aus einer rein dokumentarischen Intention. Er versteht sich nicht als Wissenschaftler, der sich um Fakten bemüht. Er ist Romantiker, Idealist, Ästhet: Erst aus dem Zusammenspiel all dieser Blickwinkel entsteht das in seiner Ikonografie und Stilistik faszinierende Werk. »Before They Pass Away« wurde 2013 in ein imposantes und gleichnamiges Photobuch (teNeues) gefasst, welches mit dem Goldenen Deutschen Fotobuchpreis 2014 ausgezeichnet wurde.

Jimmy Nelson wird exklusiv von CAMERA WORK in Deutschland vertreten. Seine in kleinen Editionen verfügbaren Photoarbeiten sind bei CAMERA WORK ab 2014 verfügbar.

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CAMERA WORK and CWC GALLERY
present:

Jimmy Nelson
Before They Pass Away

Exhibition from March 8, 2014
CAMERA WORK ⋅ Kantstrasse 149 ⋅ 10623 Berlin · Germany · Tue–Sat 11a.m. – 6 p.m.
CWC GALLERY · Auguststrasse 11–13 · 10117 Berlin · Tue–Sat · 11a.m. – 7p.m.


CAMERA WORK and CWC GALLERY are pleased to present the internationally awaited exhibition »Before They Pass Away« by Jimmy Nelson, starting on March 8, 2014. For the first time worldwide, the exhibition and its over 80 works is shown to give an insight into the epochal series »Before They Pass Away«. As an appraisal of the artist and due to the enormous quantity of photographs within this collection the series will be shown simultaneously in the galleries CAMERA WORK and CWC GALLERY – being an honor that has never been awarded to any artist by CAMERA WORK before.

In many respects, the term »unique« describes the people portrayed by Jimmy Nelson best: So inimitably fascinating are the Huli Wigmen – painted in red, yellow and white - in Papua New Guinea, so exotic are the Karo in Ethiopia and so affecting are the Himba tribe in Namibia. Representatives of the world’s last indigenous peoples are the protagonists in Nelson’s photographs. His works go far beyond serving solely as a neutral visual document, serving the public’s vague idea about the existence of those tribesmen and peoples. With his epochal series, Jimmy Nelson establishes an awareness for the fascinating variety of the culture- and historycharged symbols of the people, reflecting their rites, customs and traditions, that hitherto has not existed to this extend. Among several other countries his journeys led Nelson to Ethiopia, Tanzania and Kenya, to China and Nepal or Siberia and Mongolia. The cultural prosperity of the indigenous populations of those countries differentiates itself even further within each single tribe in a new and different way.

The spectator is confronted with the unknown and foreign in a genuine sense through the unfamiliar exoticism of the luxuriant fur robes of the Kazakhs in Mongolia, the colorful cloths of the Maasai in Tanzania, the pearl jewelry and feather decorations of the inhabitants of Goroka in Papua New Guinea, or the unembarrassed bare skin, if not tattooed or painted, of the Karo in Ethiopia. The decoration in its diversity evokes an almost mystic atmosphere. The positive irritation about the manifoldness of cultural expressions is inherent with the appeal to protect and beware the people that generate it. Yet besides the disconcertment, it is the effort for beauty, noticeable in all of those cultural artifacts, that functions as a linking element and is furthermore reflected in the way of the photographs’ composition and aesthetics, thus integrating the spectator through the aesthetic sentiment.

Jimmy Nelson is not a scientist. Rather than trying to find answers, he wants to tell stories that leave room for the recipient’s questions. He succeeds in doing so due to his unique stylistic approach regarding this ethnologic level. The 80 – partly large-sized – photographs shown in the exhibition withdraw from distinct categorization: They oscillate between being a visual testament of authenticity and being the expression of a calculus of composition committed to the ideas of beauty, pride and dignity. Pride and dignity lie in the looks of the portrayed persons’ eyes that are vigorous enough to transcend the photograph’s restriction by frame even in front of a totally diminished background. They tell exactly those stories that are of vital importance to Jimmy Nelson and that he is keen to find on his journeys. The Dassanech girl’s direct gaze into the camera reflects an almost challenging self-confidence, which seems to be fed on the certitude of their social cohesion, also suggested by the intimate gestures between the three girls. The two other girls’ eyes, gazing off into the distance, show a certain melancholy and grace, going beyond the moment they were photographed. Not only gentleness but also strength come along with the expression of the Maori girl wearing a rope richly embroidered with feathers.

The photographs almost seduce their spectators as they establish a world full of unknown but meaningful symbols whose reference seems to elude classification. At the same time iconographies out of the collective fund of the globalized world can be identified for example in the way the tribesmen are positioned in the surrounding epic landscapes. They oversee their territory from mountaintops and hills creating the impression of a harmonic connection with nature on the one hand but simultaneously revealing a possessive approach towards it on the other hand. Bow and arrow, as carried by the two men on the Vanuatu islands, or the positioning of the three Samburu men photographed from behind with spears in their hands and stuck in the ground, emphasize this attitude furthermore. Different perspectives and layers of meaning thus seem to overlap and intermingle in the photographs. Their contents’ authenticity poses the question as to which extent, or in which cultural frame, such attributes can be attested by the spectator. For the tribesmen their bodies are jewelry just as the ones they decorate them with. This game with signs, repeated by Nelson in his visual language, encodes his works with ambiguity, is eventually a game of appearances. To generally bring appearances into question is one of the central messages Nelson took with him on his journeys.

Jimmy Nelson
Born in Kent in 1967, Jimmy Nelson started working as a photographer in 1987. Just after having left boarding school, he set off across Tibet in a one-year trip by foot. Through his photographic diary, he offered the public an insight into a hitherto inaccessible country. Afterwards he was commissioned with the photographical documentation of numerous cultural issues around the world, finally followed by the 30-month project entitled »Literary Portraits of China« in 1994. Initially being shown in the Peoples Republic on Tiananmen Square in Beijing, the images were subsequently exhibited on a worldwide tour. Besides his successful engagement as a professional commercial photographer, Nelson also focused on the ethnological aspect of his photographic work. Due to the compelling international reaction, the unique photographs taken during 13 journeys in over 40 countries with a 50-year-old plate camera finally led to his monumental project »Before They Pass Away«. It serves both as a monument to honor the last indigenous people as well as a memorial for the public to become aware of the indigenous peoples’ threatened existence. Jimmy Nelson is enthusiastically pursuing his project, but is not driven by the intention to document reality. He does not see himself as a scientist, who is only concerned about facts. He is a romantic, an idealist, and an aesthete: it is the interaction and combination of all those perspectives that generate his iconographical and stylistically fascinating work. The photographs were published by teNeues in the book of the same title, that has just been rewarded with the »Goldener Deutsche Fotobuchpreis 2014«.

In Germany, CAMERA WORK exclusively represents Jimmy Nelson. His body of work is available as limited fine art prints at CAMERA WORK from 2014.