Pablo Picasso 'Faces'

Pablo Picasso 'Faces'

portrait de femme (dora maar) by pablo picasso

Pablo Picasso

Portrait de Femme (Dora Maar), 1936

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portrait de d. h. kahnweiler, i by pablo picasso

Pablo Picasso

Portrait de D. H. Kahnweiler, I, 1957

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l'homme au chien (rue schoelcher) by pablo picasso

Pablo Picasso

L'homme au chien (Rue Schoelcher), 1915

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le marteau sans maître by pablo picasso

Pablo Picasso

Le marteau sans maître, 1945

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Friday, February 4, 2011Saturday, March 5, 2011


Düsseldorf, Germany

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Eröffnung am Donnerstag, den 3. Februar 2011

Galerie für Kunst von Picasso zu Gast bei Beck Eggeling International Fine Art

Seit Jahrhunderten werden Porträts vorwiegend eingesetzt, um den Reichen und Mächtigen ein Denkmal zu setzen. Die abgebildete Person wird von ihrer besten Seite gezeigt, sie wird romantisiert und in manchen Fällen sogar glorifiziert. Die stattliche, offizielle Seite der Person wird hervorgehoben. Seit dem Aufbruch der Moderne und der Verbreitung von Freudscher Psychoanalyse wird das Porträt zunehmend psychologisch gedeutet. Die innere Essenz der Porträtierten bzw. die künstlerische Interpretation dieser wird zum eigentlichen Sujet. Paradebeispiele dieser neuen künstlerischen Vorgehensweise sind Pablo Picassos zahlreiche Porträts von Freunden, Kollegen und Liebhaberinnen, die er im Laufe seiner langen Künstlerkarriere schuf, sowie die seltsam dunklen und bisweilen unheimlichen Werke der jungen, in Berlin lebenden portugiesischen Künstlerin Adriana Molder.

Laut Johannes M. Fox, international anerkannter Picasso-Experte und Autor des Katalogs zur Ausstellung bei Beck & Eggeling International Fine Art, sind Gesichter „Spiegelbilder des Menschlichen“. Für den römischen Philosophen Cicero wiederum war das Gesicht ein „Abbild der Seele“. Bei Picassos zahlreichen Porträts handelt es sich fast ausschließlich um seine eigene, eigenwillige Interpretation von Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung. Und nach den Erzählungen Fox menschelte es bei Picasso immer und überall! „Dies ging so weit,“ schreibt Fox im Katalog zur Ausstellung, „dass er die Gesichter von Porträtierten, vor allem die seiner Lebensgefährtinnen, regelrecht als ‚Medium’ verwendete, um Menschliches auszudrücken, abgelöst vom Charakter der ursprünglich dargestellten Person.“ Das jeweilige Bild stellt also auf der einen Seite ein Porträt des Abgebildeten dar, doch auf der anderen Seite steht das Porträt als Metapher oder Symbol von etwas weitaus universellerem als nur eine bloße Persönlichkeit aus dem Freundeskreis des Künstlers.

Bei Adriana Molder ist etwas ähnliches im Spiel. Ihre großformatigen Werke auf Papier sind keine Porträts im engsten Sinne des Wortes, weil die Bilder sozusagen „aus zweiter Hand“ sind. Die Quellen für Molders eindringliche Bilder sind Filmstills, Plattencover, Kunstgeschichtsbände, populäre Zeitschriften sowie andere Abbildungen von berühmten bzw. berüchtigten Persönlichkeiten – sowohl real, als auch erfunden. Ihr seltsames Porträt von Victor Hugo (1802-1885) - „The Surrender“ („Die Ergebung“) - basiert zum Beispiel auf einer Zeichnung von seinem Zeitgenossen Auguste Rodin, der die Skizze in Vorbereitung für ein geplantes Denkmal gezeichnet hatte. Molder zeigt Victor Hugo als einen alten Weisen, durch die Jahre und die Bürden der Geschichte gezeichnet. Mit seinen sanftmütigen Augen und mit seinem schneeweißen Bart erscheint Molders Interpretation von Rodins Bildnis von Hugo anmutig und gütig, aber auch irgendwie seltsam und verloren sowie – durch die monumentale Größe der Zeichnung – vielleicht sogar ein wenig fratzenhaft und ungeheuerlich.

Im Gegensatz zu Molder, die die Personen, die sie porträtiert, nie kennen gelernt hat, sind die meisten Porträts von Pablo Picasso Bilder seiner Geliebten, seiner Freunde und seiner Bekannten – sehr häufig mit verzerrten Gesichtszügen oder sogar in Form von Karikaturen. Es bereitete ihm viel Spaß und Freude, seine ihm besonders nahestehenden Freunde und Bekannten mit fast bösen oder sogar hässlichen Porträts spielerisch auf den Arm zu nehmen.

Wie Picasso sucht auch Molder nach dem Essentiellen in dem, was sie malt und zeichnet, der Essenz, die den eigentlichen und wahrhaftigen Charakter einer Person ausmacht. Vielleicht ist dies der Grund dafür, dass Adriana Molder so fasziniert und sogar inspiriert von den Stummfilmen des frühen 20. Jahrhunderts ist. Schwarz-weiße Stummfilme stellen eine reichhaltige Inspiration für Molder dar – vor allem wegen der eigenartigen Schauspieltechnik, die Inhalte und Emotionen nicht durch Sprache und Intonation, sondern durch übertriebene Gesichtsmimik und Handbewegungen vermittelt. Bei Molder handelt es sich um das, was Charles Baudelaire als „horreur sympathique“ beschrieb, was paradoxerweise auch romantisch und heroisch sein kann. Tragischen Figuren oder Charaktere mit einem moralischen Dilemma sind reichlich vorhanden im Werk von Adriana Molder: der erotische Teen-Star Tracy Lords mit ihren kirschenroten, Vampirähnlichen Lippen; ein junger SS-Offizier kurz vor seinem langsamen Tode nach einem missglückten Selbstmordversuch – neben ihm (für uns unsichtbar) ein kriegsmüder amerikanischer Soldat, der sich weigert, ihn zu retten; der Vater von Anne Frank in Gestalt eines Clowns; Lon Chaney Sr. als das beklagenswerte liebeskranke „Phantom der Oper“; oder Leonardo DiCaprio in der Rolle des unrechtmäßig inhaftierten „Mann in der eisernen Maske“. In der aktuellen Ausstellung mit Porträts von Picasso handelt es sich vor allem um Bilder seiner vielen Frauen, u.a. Dora Maar, Françoise Gilot, Paulette Goddard und Fernande Olivier. Dora Maar war für Picasso nicht nur Geliebte, sondern auch und vor allem eine wichtige Weggefährtin, ein nützlicher Türöffner in der Pariser Gesellschaft und sogar als Photographin eine der fleißigsten Chronisten des Werkes des arbeitsamen Künstlers. Die wunderschöne Paulette Goddard war Picasso-Sammlerin und eine sehr bekannte amerikanische Filmschauspielerin, die mit dem legendären Schauspieler und Regisseur Charlie Chaplin verheiratet war, bevor sie eine (angebliche) Affäre mit dem Künstler einging. Während Dora Maar fast immer vom Künstler sehr streng mit starkem Kinn und hervorstechenden Augenwimpern dargestellt wurde, ist das Bildnis von Paulette sehr lieblich, unschuldig und fast kindisch. Das Gesicht von Françoise Gilot wiederum wird durch das all-over Ornamental-Muster fast versteckt. Das Bild wirkt verspielt und sogar liebevoll – eine selten gesehene Seite des spanischen Machos. Obwohl sie in ihrer Arbeitsweise und künstlerischer Intention nicht unterschiedlicher sein könnten, sind sowohl Pablo Picasso als auch Adriana Molder beide Meister der Kunst des Porträts als „Abbild des Menschlichen“. Ob aus dem direkten Umfeld oder aus einer veritablen Pantheon von historischen Figuren und literarischen Charakteren, die Gesichter, die uns in den Bildern beider Künstler begegnen, erzählen Geschichten von Liebe und Verlust, von Leidenschaft und Selbstopferung, von Zuneigung und Obsession.

Beide Ausstellungen werden von Katalogen begleitet.

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With two exhibitions dedicated to the works of Pablo Picasso and Adriana Molder, Beck & Eggeling once again spans a bridge between between Classical Modern and Contemporary Art. At the centre of each exhibition is the conceptual and aesthetic investigation of the genre of portraiture as a reflection of human nature.

For centuries, portraits have primarily memorialised the wealthy and powerful. They flattered, romanticised and in some cases even glorified the person depicted, presenting the “stately” side of his or her character. Later, with the birth of Modernism and the popularisation of Freudian psychoanalysis, the portrait became more and more psychologically based, so that the inner essence of the person portrayed, or the artist's interpretation of this, became the actual subject, and not necessarily his or her actual or literal likeness. Prime examples of this new artistic approach are Pablo Picasso's numerous portraits in various media of friends, colleagues and lovers created throughout his entire oeuvre, as well as the strangely dark and occasionally eerie works of the young Portuguese artist Adriana Molder. According to Johannes M. Fox, the internationally acclaimed Picasso expert and author of the catalogue that accompanies the exhibition at Beck & Eggeling International Fine Art, faces are „mirror images of human nature“. And for the Roman philosopher Cicero, the face represented an „effigy of the soul“. In Picasso's numerous portraits, we are confronted almost exclusively with his own idiosyncratic interpretations of people and personalities from his most inner circle. And, if we are to believe Fox's anecdotes, Picasso was very human indeed – in all senses of the word! „This went so far“, Fox writes in the catalogue to the exhibition, „that he used the faces of those he portrayed, especially those of his partners, almost as a kind of 'medium' which helped him express human nature, detached from the actual character of the person depicted.“ Each individual picture thus represents, on the one hand, a portrait of the person depicted, whereas, on the other hand, it also stands in as a metaphor or symbol of something far more universal than a mere personality among the artist's circle of friends. Something similar is at play in the works of Adriana Molder. Her large scale works in drawing ink on tracing paper are not true portraits as such, since the images come to us second hand, so to speak. The sources for Molder's haunting images are stills from historical and contemporary films, album covers, art history books, popular magazines and other reproductions of (in)famous personalities, both authentic and fictitious. Molder's portrait of Victor Hugo (1802-1885), “The Surrender”, for example, is based on a drawing by his contemporary Auguste Rodin (1840-1917), created in preparation for a monument to the poet. Here, Molder depicts Victor Hugo, the famed author of “The Hunchback of Notre Dame” (1831) and “Les Misérables” (1845-62), as an old sage, weathered by time and the burden of history. With his gentle eyes and snow-white beard, Molder's interpretation of Rodin's image of Hugo appears tender and benevolent and at the same time, strangely lost and, because of the enormous scale of the drawing, perhaps even grotesque or monstrous.

Unlike Molder, who never actually met the personalities she portrays, Picasso generally depicted people very close to him, such as his numerous wives and lovers, as well as his many friends and acquaintances – very often with distorted facial features and, in some cases, even in the form of caricatures. With larcenous joy and a large portion of sarcasm, he enjoyed poking fun at especially those friends and acquaintances who were most close to him.

Like Picasso, Molder also seeks the essential in that which she paints and draws, that essence which actually and truly characterizes a person. It is perhaps for this reason that Adriana Molder is so fascinated and indeed inspired by the silent films of the early 20th century. Silent, black and white films are a recurring source of imagery for Molder because they represent a mode of acting transported not through language and intonation, but rather through exaggerated facial expressions and gestures of the hands. With Molder, we are dealing with what Charles Baudelaire described as „horreur sympathique“, which can, paradoxically, be both romantic and even heroic. Tragic figures or characters with a moral dilemma are abundant in Molder's oeuvre: the erotic teen star Tracy Lords with her deep red, vampire-like lips; a young Nazi SS officer shortly before he dies a slow painful death after trying to commit suicide – next to him (unbeknownst to us) a young, shellshocked American soldier, who refuses to offer any assistance; the father of Anne Frank in the guise of a clown; Lon Chaney as the deplorably love-stricken “Phantom of the Opera”; or Leonardo DiCaprio as the unjustly imprisoned “Man in the Iron Mask”.

In the exhibition of portraits by Picasso, we become acquainted with his numerous wives and lovers, including, among others, Dora Maar, Françoise Gilot, Paulette Goddard and Fernande Olivier. Dora Maar was not only Picasso's lover, but also and especially a significant long-time companion, a useful door-opener within the Parisian high-society and, as a documentary photographer, one of the most diligent chroniclers of the work of the industrious artist. The beautiful Paulette Goddard was a collector of Picasso's works and a famous American film actress, who was married to the legendary actor and director Charlie Chaplin before she had an (alleged) affair with the artist. Whereas Dora Maar was almost always depicted by the artist with a rigid pose, a strong chin and long, protruding eyelashes, Paulette tends to be depicted as sweet, innocent and almost childlike. The face of Françoise Gilot, on the other hand, is presented in one series of prints nearly completely covered by an all-over ornamental pattern. Her portrait appears playful and even loving – a rarely seen side of the macho Spanish artist. Although both artists could not be more different when it comes to their working methods and artistic intentions, both Pablo Picasso and Adriana Molder are masters of the art of the portrait as an “image of human nature”. Whether from their immediate surroundings or from a veritable Pantheon of historic figures and literary characters, the faces we encounter in the works of both artists tell profound tales of love and loss, of passion and self-abandonment, of affection and obsession.

Both exhibitions are accompanied by catalogues.