ALEXANDER OCHS GALLERIES BERLIN | BEIJING

My Chinese Friends | Works From 1992 To 2014

My Chinese Friends | Works From 1992 To 2014

installation view iii

Installation view III

installation view ii

Installation view II

installation view

Installation view

add a meter to the nameless mountain by zuoxiao zuzhou

Zuoxiao Zuzhou

Add a Meter to the Nameless Mountain

Price on Request

Saturday, June 28, 2014Saturday, August 9, 2014

Besselstraße 14
Berlin, 10969 Germany

Vernissage am 27.06. von 7 – 9 pm


CAI JIN | CHEN GUANGWU | CHEN LINGYANG | FANG LIJUN | LIU WENTAO | LU HAO | LU SHENGZHONG | MIAO XIAOCHUN | QING QING | QIU SHIHUA | RONG RONG | TAN PING | WANG SHUGANG | WANG YIN | XIONG WENYUN | XU BING | XU SHUN | YANG SHAOBIN | YIN XIUZHEN | ZHAO ZHAO | ZHANG HUAN | ZHU JINSHI | ZUOXIAO ZUZHOU + AI WEIWEI + MAURICE WEISS

‚My Chinese Friends‘ versammelt über vierzig Arbeiten chinesischer Künstler, die zwischen 1992 und heute entstanden und mit zwei Ausnahmen in von Alexander Ochs kuratierten und initiierten Ausstellungen in den letzten zweiundzwanzig Jahren gezeigt wurden.

Den Schlüssel zum ersten Raum bildet ein Werk des Pekinger Künstlers Lu Shengzhong. Der Daoist und Professor für Volkskunst montierte in einen geöffneten Reisekoffer zwei aus rotem Papier geschnittene, liegende Figuren: Yin und Yang positiv und negativ entsprechen der chinesischen Philosophie konträrer und sich doch aufeinander beziehender Prinzipien. Lu‘s 1992 für den Kunstzug ‚Red Train‘ geschaffener Scherenschnitt stellt hier ein Grundmotiv für die Ausstellung dar. So schwimmen in den Fotografien Yin Xiuzhens junge Frauen in verschmutztem Wasser und haben Spaß dabei, während Chen Lingyang Ende der 90er Jahre für ein Jahr ihre monatliche Menstruation fotografierte und ihr Blut in kunstvoll gefertigten, alten Spiegeln festhielt. Chen Guangwu verändert die Typografie der wichtigsten Schriften Mao Tse-tungs und entzieht ihnen so jede Sinnhaftigkeit, während Wang Shugangs Mönchsskulpturen in der roten Farbe der kommunistischen Partei gestrichen sind. So werden selbst Arbeiten, die aus einer selbstreferentiellen Idee entstanden, zu politischen Arbeiten, ohne dass dies, wie im Falle der derzeit in Berlin zu sehenden Ai Weiwei Ausstellung ‚Evidence‘ immerfort betont werden müsste.

Zhao Zhao, zur Zeit noch präsentiert in der Berliner Show ‚Die 8 der Wege – Zeitgenössische Kunst aus Peking‘ und dort von den meisten Medien als Antagonist von He Xiangyu formuliert, ist mit einer Gruppe kleinformatiger Gemälde vertreten, die, ohne diese zu benennen, Widerständler portraitieren und durch gemalte Textildesigns einen Hinweis auf deren uigurischen Hintergrund geben.

Kommentiert wird dieser Bilderblock durch zwei Fotografien Xiong Wenyuns, die Bretterbuden auf dem tibetischen Dach der Welt zeigen, verziert mit dem roten Stern der Partei und Parolen, dann aber durch das Applizieren unifarbiger Stoffe in Fenstern und Türen die Farbfeldmalerei eines Blinky Palermo assoziieren lassen.

RongRong erinnert mit einem großformatigen Portrait Zhang Huans in den dunklen Gassen am Alten Sommerpalast an die Anfänge der chinesischen Contemporary Szene nach 1989, ebenso wie Zuoxiao Zuzhou mit der ikonographischen Arbeit ‚Add One Meter to a Nameless Mountain‘ an eine Performance aus dieser Gründerzeit zeigt. Zhu Jinshi wie Ai Weiwei und Xu Bing bei der 1979 verbotenen Ausstellung ‚Kollwitz ist unsere Fahne! Picasso unser Schwert!‘ am Zaun des Chinesischen Nationalmuseums beteiligt, lebte da schon im Westen, und seine in der Ausstellung entstandene Fotoarbeit ‚Post Buddhist‘ zeigt einen melancholischen Blick aus dem Fenster seiner (mit Qin Yufen bewohnten) Bleibe in der Berliner Potsdamer Straße. Xu Bing ist mit einer 1997 für Alexander Ochs geschaffenen Edition ‚Lost Letters‘ vertreten. Der Künstler fand in den damaligen Räumen der Galerie in der Sophienstraße 18 einen Stirnholzfußboden, von dem er ein großes Format in 10 Metern Länge druckte, und das mit Blei-lettern aus der Druckwerkstatt der Kunsthochschule Weißensee en miniature nachempfand.

Wie Chen Guangwus minimalistische Tusch-Kalligraphien beinhaltet Xu Bings Arbeit die Idee asiatischer Serialität und ‚Vielheit‘ als kulturellen Topos; auch Ai Weiweis aus Huanghuali-Holz gefertigte Skulptur ‚F-Size‘, die eine Reihe oktagonal geformter Leerstellen aneinanderreiht, vereint in sich dieses Prinzip. Xu Bing, der wie Ai Weiwei lange Zeit im New Yorker Exil lebte, ist heute einer der Vizepräsidenten der CAFA - Central Academy for Fine Arts in Peking, der Stadt, in der Ai Weiwei immer noch auf die Rückgabe des ihm 2011 entzogenen Reisepasses wartet.

Ist Ai Weiweis Skulptur in Korrespondenz mit einer großformatigen, dreidimensionalen Zeichnung (Graphit auf Leinwand) von Liu Wentao zu sehen, erinnert im gleichen Raum ein kleinformatiges Gemälde Qiu Shihuas an seine Verbannung in die Wüste Gobi während der Kulturrevolution und sich ein wandgreifendes ‚Naturstück‘ der Künstlerin Qing Qing in Beziehung setzt, für das die Künstlerin ausgetrocknete Gräser und Blumen verwendet.

Im Übergang zum vierten Raum der Ausstellung findet sich ein Motiv aus Miao Xiaochuns ‚Last Judgement in Cyberspace‘, im vierten Raum selbst dann Arbeiten auf Papier von Lu Song, Fang Lijun und Tan Ping. Während der 1982 geborene Lu Song in seinen Landschaften eine Idee westlicher Romantik zitiert, schnitt Tan Ping in der Reaktion auf die Krebserkrankung eines engen Verwandten die Linien von durch den Krebs deformierten Zellen in seine Druckstöcke.

Tan Ping nahm vor genau 25 Jahren mit Hilfe eines DAAD Stipendiums sein Studium bei Klaus Fussmann an der Hochschule der Künste (UdK) Berlin auf, heute ist er als Professor an der Pekinger Central Academy deren Vizepräsident und während die Berliner UdK Studenten auf ihren Professor Ai Weiwei warten, schlägt sich der Künstler Fang Lijun auf dem von ihm 1998 geschaffenen Selbstportrait seine schmalen Hände vors Gesicht.

Neben den hier genannten Künstlerinnen und Künstlern präsentiert die Ausstellung ‚My Chinese Friends‘ auch Werke von: Xu Sun, Lu Hao, Wang Yin, Cai Jin und vor allem fotografische Portraits unseres deutschen Freundes Maurice Weiss, der mit Alexander Ochs gemeinsam in China reiste und so eine alte Geschichte zwischen Peking und Berlin mit erzählt.

Und aus dieser (und anderen Geschichten) entwickelten sich Solo-Ausstellungen in Berliner Instituten.

Xu Bing | Museum für Ostasiatische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin | 2004 Fang Lijun | Holzschnitte und Zeichnungen | Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin | 2006 Cai Guoquiang | Head On | Deutsche Guggenheim Berlin | 2006 Lu Hao | Karl Marx und Ewiger Frieden: Bilder zweier Prachtstraßen in Peking und Berlin | Museum für Asiatische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin | 2012 Qiu Shihua | Weißes Feld | Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart, Staatliche Museen zu Berlin | 2012 Ai Weiwei | EVIDENCE |Martin-Gropius-Bau, Berlin | noch bis 13. Juli 2014



CAI JIN | CHEN GUANGWU | CHEN LINGYANG | FANG LIJUN | LIU WENTAO | LU HAO | LU SHENGZHONG | MIAO XIAOCHUN | QING QING | QIU SHIHUA | RONG RONG | TAN PING | WANG SHUGANG | WANG YIN | XIONG WENYUN | XU BING | XU SHUN | YANG SHAOBIN | YIN XIUZHEN | ZHAO ZHAO | ZHANG HUAN | ZHU JINSHI | ZUOXIAO ZUZHOU + AI WEIWEI + MAURICE WEISS

‘My Chinese friends’ brings together over 40 works by Chinese artists that originated between 1992 and today and with only two exceptions have all been curated by Alexander Ochs and shown in exhibitions in the past 22 years.

The key piece in the first room is a sculpture made by Peking-based artist Lu Shengzhong. The daoist and professor of folk art mounted two red paper-cut figures into an opened traveler’s suitcase: Yin and Yang, positive and negative, correspond to the Chinese philosophy’s concept of contrary consecutive principles. Lu’s silhouette that was once created for a project called ‘Red Train’ depicts the guiding theme of the exhibition.

In Yin Xiuzhen’s photographs one finds young women swimming in polluted water enjoying themselves, while for one year towards the end of the 90s Chen Liyang takes photographs of her monthly menstruation, capturing her blood in artfully crafted old mirrors. Chen Guangwu changes the typography of the most important scripts of Mao Tse-tung, and like that deprives all significance of them, at the same time as Wang Shugang’s monk sculptures are painted in red, the color of the communist party. This is how even works that emerged from a self-referential idea turn into political pieces without that having to be pointed out, e.g. like in the case of the Ai Weiwei exhibition at Martin Gropius Bau.

Zhao Zhao, currently on show at the Berlin exhibition 'The 8 of Paths' and described by most media to be the antagonist of He Xiangyu is represented in this show by a group of small scale paintings. These show portraits of resistance fighters, who are not further named, but still give away clues of their Uighur background through the painted textile designs.

This block of images is then commented on by two photographs taken by Xiong Wenyun, showing wooden shacks on the Tibetan roof of the world. On the one hand they are decorated with the red star and slogans of the party and yet on the other hand this is contrasted with monochrome fabrics hanging from the shacks' window and door frames, which evokes connotations with the colour field paintings of Blinky Palermo.
RongRong's large scale portrait of Zhang Huan standing in the dim alleyways of the old summer palace reminds one of the recommencement of the Chinese contemporary art scene in 1989. And so does Zuoxiao Zuzhou with his iconographic piece 'Add a Meter to th Nameless Mountain', which shows a performance from the founding.

At that time Zhu Jinshi already lived in the west. In 1979 together with Ai Weiwei and Xu Bing he was part of the forbidden exhibition 'Kollwitz Is Our Flag! Picasso Our Sword!' along the fence of the Chinese national museum. Based on this exhibition he developed the photographic piece 'Post Buddhist' that shows a melancholic view through the window of his apartment at Potsdamer Straße in Berlin (Where he lived together with Qin Yufen).

Xu Bing is represented by his edition of 'Lost Letters', once created for Alexander Ochs. Back then in the former gallery premises on Sopienstraße 18 the artist found a xylolite floor, which served to be the source to print a 10 meter long format from, which was then reproduced en miniature using plumb letters from the Weissensee art college.

Just like Chen Guangwu's minimalistic calligraphies Xu Bing's work contains the idea of Asian 'serialization' and 'multiplicity' as a cultural topos. Also Ai Weiwei's piece 'F-Size’, made from Huang Huali wood, stringing together octagonal shaped gaps unifies this principle.
Like Ai Weiwei Xu Bing lived in exile in New York for a long time. Nowadays he has become the Vice President of the CAFA - the Central Academy of Fine Art - in Beijing, where Ai Weiwei is still waiting for the returning of his passport that was taken from him in 2011.

Ai Weiwei's sculpture is placed in correspondence to a large scale three dimensional drawing by Liu Wentao. In the same room one comes across a small format painting by Qui Shihua that reminds of his banishment into the Gobi Desert at the time of the cultural revolution and simultaneously relates to a wall filling 'nature piece' made from dried grass and flowers by Qing Qing.

As one wanders towards the fourth room you will find a motif from Miao Xiaoshun's 'Last Judgment in Cyber Space'. Then entering the fourth room there are works on paper by Lu Song, Fang Lijun and Tan Ping. Whereas 1982 born Lu Song quotes ideas of western romanticism in his landscapes, Tan Ping reacts to a close relative's cancer disease with cutting deformed cell shapes into his printing plates.

With the help of a DAAD scholarship Tan Ping began his studies at the Berlin University of Arts (UdK) under Klaus Fussmann 25 years ago. Today he himself is a teaching professor at the Central Academy in Beijing. And as the students at UdK are still waiting for their professor Ai Weiwei to arrive, Fang Lijun puts his small hands upon his face as seen in his self-portrait from 1998.

Alongside the mentioned artists the exhibition "My Chinese Friends' also represents works from Xu Shun, Wang Yin, Cai Jin and photographic portraits taken by our German friend Maurice Weiss, who travelled together with Alexander Ochs to China and like that also tells of an old story between Beijing and Berlin.

From this (and also other stories) several solo shows emerged troughout various institutions in Berlin.

Xu Bing | Museum für Ostasiatische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin | 2004 Fang Lijun | Woodcuts and Drawings | Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin | 2006 Cai Guoquiang | Head On | Deutsche Guggenheim Berlin |2006 Lu Hao | Karl Marx and Eternal Peace: Images of Two Boulevards in Beijing and Berlin | Museum für Asiatische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin | 2012 Qiu Shihua | White Field | Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart, Staatliche Museen zu Berlin | 2012 Ai Weiwei | EVIDENCE | Martin-Gropius-Bau, Berlin | until 13 July 2014