Anna Jill Lüpertz Gallery

Daniel Kannenberg: Verlust der Nacht

Daniel Kannenberg: Verlust der Nacht

welt ohne zeit by daniel kannenberg

Daniel Kannenberg

Welt ohne Zeit, 2014

der pfad zum großen schachbrett by daniel kannenberg

Daniel Kannenberg

Der Pfad zum großen Schachbrett, 2014

im licht oder im fleische by daniel kannenberg

Daniel Kannenberg

Im Licht oder im Fleische, 2014

the king is gone but not forgotten by daniel kannenberg

Daniel Kannenberg

The King is gone but not forgotten, 2014

so schön sterben nur die sonnen by daniel kannenberg

Daniel Kannenberg

So schön sterben nur die Sonnen, 2014

verlust der nacht by daniel kannenberg

Daniel Kannenberg

Verlust der Nacht, 2014

Saturday, May 17, 2014Saturday, June 28, 2014 (Opening Reception: Friday, May 16, 2014, 6 p.m. (EST))

Potsdamer Str. 98 a, 2. Hinterhof
Berlin, 10785 Germany

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In der Ausstellung werden fünf neue Arbeiten auf Leinwand und einige Kleinere gezeigt.

Was verbleibt hinter der Nacht und deren Dunkelheit, ist ein Gefühl des Verlusts. Es ist die intimste Erfahrung, die innige Bekanntschaft mit Geringfügigkeit. Die Nacht bricht an gleich einem Paradox, denn das Gefühl der Fremdheit, das sie beschwört, ist das der Vertrautheit und beinahe Wärme; als ob hinter den Sternen immer schon die Möglichkeit ihrer Wahrnehmung gelegen hätte. Die Nacht bietet Position und Positur.

Und doch, was sich im Dunkeln entfaltet, ist auch die Erkenntnis einer Bedrohung und die Evidenz unendlicher Entfernung, eine Entlegenheit von Raum, die sich der Aussicht auf Vermessung entziehen würde. Das Paradox ist sodann eines der Simplizität; die Nacht ist kein Gegenstand der Überlegung oder der Vorstellung, sondern deren Abwesenheit, die Möglichkeit einer fehlenden Gestalt und Begrenzung. Nacht ermöglicht die Inanspruchnahme von Unpersönlichkeit.

Diese Intimität des Exils ist eine Existenzform. Sie ist weder ein Ort, noch ein Wesen, noch ein Zustand des Universums. Sie wird nur möglich als Bewegung im Schatten, ein Geschenk, der dunklen Planetenhälfte dargeboten. Nacht ist eine Aktion.

Und deshalb ist sie abhängig von einem Akteur. Sie ist Entwicklung und Transformation, ein Satz Marken auf dem Tisch, oder die Störung einer Bettkammer. Und weil die Nacht Spuren hinterlässt, fordert sie Verantwortung, irgendwen oder irgendetwas, ihre Habseligkeiten zu beanspruchen und die von dem, was zurück gelassen wurde, den Nachweis einer Passage durch den Raum, der bewohnt war und nun Abwesenheit fordert, gleich einer Art Erinnerung, ihrer Möglichkeit ohne deren Inhalt.

Beide, Nacht und Erinnerung, sind grundsätzlich phantasmagorisch. Sie sind lediglich zugänglich als reine Repräsentation, etwas längst in die Ferne Entschwundenes, außer Reichweite. Ein Bereich geschützt durch die Zeit, die während der Reminiszenz verstrichen ist, und die Zeit, die das Sternenlicht benötigt, um den Moment seiner Beobachtung zu erreichen. Es geschieht niemals hier.

Aber genau aus diesem Grund ist sie niemals verboten. Die Nacht besitzt eine Freiheit, die jeglichen Konsens verfehlt und ihren Untergebenen eine Illusion vom Leben am Rand erlaubt, außerhalb jeder Geselligkeit – oder ein Leben der Illusion am Rande ihrer Selbst. Ein Leben geformt wie ein Schatten, eine Figur ohne Volumen, ein Abbild projiziert über ein Abbild, ein Bild zusammensetzend.

Die Nacht gibt sich als Theater der Schatten aus, und in ihm lauert die Gefahr. Keines, das aus Licht gemacht ist, das gegen die Dunkelheit ankämpfen wird, oder gegen die Rotation eines Planeten, die seine Gegenwart beenden wird, wohl aber gegen seine eigene Besetzung. Sobald es die Leere des Horizonts verlassen hat und verschmolzen ist mit den rastlosen Bestrebungen seiner Bewohner. Nächte des Kampfes und der Herzschläge. Eine Nacht der Anstrengung wird erschaffen, die gewonnen werden kann und deshalb verloren sein wird.

Autor des Textes zur Ausstellung ist der Philosoph Jaime Vazquez. Er lebt und arbeitet in Berlin.

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Daniel Kannenberg shows five new paintings on canvas and a few smaller works.

What remains behind the night and its darkness is a sense of loss. It is the most intimate experience, a secure acquaintance with smallness. Night falls as a paradox since the sense of strangeness it invokes is that of intimacy and almost warmth, as if behind the stars had always lain the possibility of their perception. The night offers a position and a stance.

And yet, what unfolds in the dark is also the insight of a menace and the evidence of unlimited distance, a remoteness of space that would avoid the prospect of measurement. The paradox is then of simplicity; night is not an object of thought or perception but its absence, the possibility of a lack of frame and limits. Night offers the claim to impersonality.

This intimacy of exile is a mode of existence. It is not a place, nor a being, nor a state of affairs of the universe. It becomes only possible as an exercise in shade, a gift offered to the dark side of a planet. Night is an action.

And thus it is subject to an agent. It is a processing and a transformation, a set of marks laid on the table or the disruption of a bedchamber. And because night leaves traces, it asks for responsibility, someone or something to claim its property and that of what’s left behind, the proof of a passage in a space that was occupied and now claims an absence, like the form of a memory, its possibility without its content.

Both, night and memory are inherently phantasmagoric. They are only accessible as pure representation, something already set into the distance, out of reach. A domain protected by the time that has elapsed during the reminiscence and by the time needed for the starlight to reach the instant of its observation. It never occurs here.

But for that very reason it is never forbidden. Night holds a freedom that falls short of any consent and allows its subjects an illusion of life in the margins, outside any sociability – or a life of illusion in the margins of their self. A life cut like a shadow, a figure without volume, the image projected over the image composing a picture.

Night impersonates a theatre of shadows and in it, the danger lurks. Not one made of light that will fight the darkness, or the rotation of a planet that will end its moment, but its own cast. When it has left the vacancy of the horizon and melted with the restless aspirations of its inhabitants. Nights of fight and heart beats. A night of endeavour will be created that can be won and therefore will be lost.

Author of this text is the spanish philosopher Jaime Vazquez. He lives and works in Berlin.