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ZEITRÄUME
Michael Hofstetter, Brian McKee, Peter Schlör, Winter & Hörbelt
Nusser & Baumgart zu Gast beim Süddeutschen Verlag
Hultschiner Strasse 8, 81677 München
Eröffnung: Donnerstag, 16. Juli, 2009, 18 – 21 Uhr
Ausstellungsdauer: 17. Juli bis 30. September 2009
Die Galerie Nusser & Baumgart freut sich, Sie ganz herzlich zu einer Premiere der besonderen Art
einzuladen: zu der Ausstellung ZEITRÄUME, die im Foyer des erst unlängst bezogenen Gebäudes des
Süddeutschen Verlages in der Hultschiner Straße 8 stattfindet. Für die Ausstellung haben Nusser &
Baumgart mit Dr. Annette Doms vier künstlerische Positionen ausgewählt, die sich auf unterschiedliche
Weise auf die Besonderheit dieses Ortes beziehen lassen.
Kriegsschauplätze spielen für Journalisten seit jeher eine bedeutsame
Rolle. Eben diese bereist auch der in New York lebende Fotograf
Brian McKee (*1977). In jüngerer Zeit entstanden Aufnahmen im
Libanon und in Afghanistan. Im Gegensatz zu Reportern, die das
aktuelle Geschehen zumeist in dramatischen Bildern einzufangen
suchen, schafft McKee aber eher stille Aufnahmen von Gebäuden und
Landschaften, die als stumme Zeugen agieren und die Wunden zei-
Mit dem Material der Zeitungsmacher, mit der Sprache, arbeitet der
Münchner Michael Hofstetter (*1961) in seiner Architektur-Skulptur
„Tempel“, die den unter Kreativen gleichermaßen beliebten wie
verhassten Satz „Woran arbeiten Sie sonst noch gerade?“
übermannshoch in Szene setzt – auf Englisch natürlich, um der
gebotenen Internationalität Rechnung zu tragen. Das Spiel mit den
Worten aber verwandelt sich in Hofstetters Sprachturm in ein komplexes,
verschachteltes Formgefüge, in dem sich Innen- und Außenansicht
permanent überschneiden. In solchen buchstäblich vielschichtigen
Arbeiten reflektiert der konzeptuell geprägte Künstler die Bedingungen, unter denen Kunst entsteht,
präsentiert und wahrgenommen wird. Das verlangt dem Betrachter bisweilen einiges an Mitdenken ab,
ist angesichts des hintergründigen Humors, der in den Arbeiten spürbar wird, aber zugleich
außerordentlich vergnüglich.
Kriegsschauplätze spielen für Journalisten seit jeher eine bedeutsame
Rolle. Eben diese bereist auch der in New York lebende Fotograf
Brian McKee (*1977). In jüngerer Zeit entstanden Aufnahmen im
Libanon und in Afghanistan. Im Gegensatz zu Reportern, die das
aktuelle Geschehen zumeist in dramatischen Bildern einzufangen
suchen, schafft McKee aber eher stille Aufnahmen von Gebäuden und
Landschaften, die als stumme Zeugen agieren und die Wunden zeigen, die ihnen durch das kriegerische Geschehen geschlagen wurden.Titel wie „Ballroom“, „Castle“ oder
„Palace“ lassen die einst prachtvolle Vergangenheit der Räume erahnen, die jetzt von Schutt und
Einschusslöchern übersät sind, vermeiden aber konkrete Ortsangaben. McKee, der sich selbst als
visuellen Historiker bezeichnet , ist demzufolge nicht so sehr an dem singulären Ereignis interessiert,
sondern sieht seine Arbeiten eher als allgemeine Zeugnisse der Weltgeschichte, die – traurig, aber wahr
– von Kriegen gekennzeichnet ist.
Der in Mannheim lebende Peter Schlör (*1964) bedient sich zwar desselben
Mediums – der Fotografie –, setzt dieses aber grundlegend anders ein. Seine
Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Gebäuden und Landschaften sind durch
Kompositionsprinzipen wie Symmetrie und Goldener Schnitt so streng
aufgebaut, dass sich die konkreten Orte in ästhetische Ereignisse verwandeln,
die als universale und überzeitliche Ordnungsmuster erfahrbar werden. Durch
diese formale Strenge und den bewussten Einsatz von Kontrasten – etwa
mittels tiefer Schlagschatten – erhalten die Aufnahmen annähernd
architektonische Qualitäten. Umso eher sind sie dazu geeignet, mit der
Architektur des neuen Verlagsgebäudes in einen spannungsvollen Dialog zu
treten, der nicht zuletzt durch den Gegensatz zwischen der Ruhe,die die Fotografien ausstrahlen, und den geschäftigen Aktivitäten im Gebäude gekennzeichnet ist.
Selbst aktiv werden dürfen alle Betrachter schließlich bei
den Arbeiten des Künstlerduos Wolfgang Winter (*1960)
und Berthold Hörbelt (*1958): Die meist farbintensiven
Arbeiten lassen sich als ortsbezogene minimalistische
Skulpturen lesen und fungieren doch zugleich als Spielgerät,
transparenter Beleuchtungskörper, Sitzbank oder Teppich.
Anders als die anderen Exponate sind diese Werke also auch
auf ganz praktische Weise zu benutzen.
Charmant-ironisch kommentieren sie damit kunsttheoretische Auseinandersetzungen über Ästhetik und
die Funktion(slosigkeit) der Kunst und demonstrieren, dass Grenzüberschreitungen möglich sind, ohne
die Aura des Kunstwerks anzukratzen. Zugleich können sie dadurch eine Diskussion über den
Ausstellungsort Verlagsgebäude anregen, der auf vergleichbare Weise im Spannungsfeld zwischen
praktischer und ästhetischer Funktion steht.
Dr. Martina Fuchs
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ZEITRÄUME, July 17 – September 30, 2009
Nusser & Baumgart as guest at Süddeutscher Verlag
Hultschiner Strasse 8
81677 München
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