return to artnet.com
 search artnet
Katz Contemporary Home Artists Exhibitions Inventory Gallery Info

Florian Bühler / Jörg Immendorff    Apr 1 - May 16, 2009

Art Supervision Doris
Florian Bühler
Art Supervision Doris, 2009
 
Girl II
Florian Bühler
Girl II, 2008
 
Heiligenschein
Florian Bühler
Heiligenschein, 2009
 
Nicole
Florian Bühler
Nicole, 2006
 
Outdoor Piece II
Florian Bühler
Outdoor Piece II, 2009
 
Still Life with the Painter's Hands
Florian Bühler
Still Life with the Painter's Hands, 2008
 
View :    Current Exhibitions   Past Exhibitions   Future Exhibitions      
Page:  1 of 2      1  2   Next Next       
 
Florian Bühler / Jörg Immendorff
1. April - 16. Mai 2009

Im Frühjahr 2009 präsentiert KATZ CONTEMPORARY den jungen Maler Florian Bühler (*1983, Lugano; lebt und arbeitet in Zürich) in einer Doppelausstellung mit dem deutschen Künstler Jörg Immendorff (*1945 in Bleckede, Deutschland; gestorben 2007 in Düsseldorf, Deutschland).

Filmvorführung "Ich.Immendorff", 2007
Dienstag 7. & 28. April 2009, 19 Uhr

______________________________________________________________________

Florian Bühler

Die Galerie KATZ CONTEMPORARY freut sich, ihre erste Ausstellung mit dem jungen Maler Florian Bühler zu präsentieren.

Im Werk von Florian Bühler (*1983 in Lugano, CH) geht es um Malerei und ihre Kraft, eine eigene, widerspenstige und teilweise beinahe hinterhältige Realität zu erschaffen. Bühlers eigenwilliger Stil zeichnet sich aus durch eine Malerei, die vorgibt realistisch zu sein. Der junge Künstler scheint mit seinem Farbauftrag haargenau die vorgefundene Stofflichkeit der Vorlage ins Bild zu übertragen. Der Betrachter glaubt mit den Fingerspitzen die Oberfläche der Motive ganz genau betasten zu können, so präzise und greifbar sind sie wiedergegeben. Aus nächster Nähe entdeckt man auf der Leinwand zwischen Motiv und Betrachter jedoch einen feinen Film fast unsichtbaren Flaums, der die unterschiedlichen Materialien überdeckt. Auf diese Weise wird das Divergierende vereinheitlicht und die Objekte rücken in ihrer Realität in ungreifbare Ferne. Die Bilder werden zu hyperrealistischen Zeugnissen derjenigen Wirklichkeit, die wir angeblich zu (er-)kennen glaubten. Wie sich die scheinbar unserer Dingwelt entsprungenen Gegenstände und Figuren tatsächlich anfühlen, ist trotz erster visueller Vertrautheit plötzlich nicht mehr vorstellbar.

Die aufwändige Arbeitsweise Bühlers ist innerhalb der heutigen Kunstproduktion eine Seltenheit: Etappenweise legt der Künstler mehrere Farbaufträge übereinander, bis sich die Schichten zur fertigen Oberfläche schliessen. Stilistisch sowie in der Wahl seiner Motive verweisen seine Ölbilder auf die klassische Malerei. Er bewegt sich innerhalb des (Selbst-)Porträts, des Stillebens und der Genremalerei, wobei sich die einzelnen Gattungen immer wieder ineinander schieben. In seiner äusseren Beschaffenheit verschmilzt das menschliche Bildnis mit seiner Umgebung, das Portrait drängt ins Bildvokabular des Stillebens (“Self-Portrait and Fruit Still-Life All in One”).
In seiner Porträtmalerei läuft jede Andeutung von Emotionalität Gefahr, zu einem Ausbruch ins Grimassenhafte abzugleiten. Diese Art der Verzerrung innerhalb von Bühlers (Selbst-)Portraits oder auch phantastisch anmutenden Erscheinungen seiner „Aussenstücke“ (“Outdoor Piece I & II“) sind eine bewusste Entscheidung des Künstlers zum Kontrollverlust über die äussere Form. Die Übertragung eines Objekts auf die Leinwand geht mit dem Entschwinden seiner Greifbarkeit einher. Die unüberwindliche Spannung, die bei der Betrachtung von Florian Bühlers Arbeiten entsteht, entspringt nicht der Nachahmung einer ganz spezifischen Textur, sondern der Vortäuschung derselben.

Florian Bühler hat im Jahr 2008 die Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen. Er lebt und arbeitet in Zürich.

______________________________________________________________________

Jörg Immendorff

Die Galerie KATZ CONTEMPORARY freut sich, eine Auswahl von Werken des Künstlers Jörg Immendorff zu präsentieren.

Jörg Immendorff (*1945 in Bleckede, DE; † 2007 in Düsseldorf, DE) zählt seit den frühen 1980er Jahren zu den wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten Deutschlands. Nach einem Studium als Bühnenbildner an der Düsseldorfer Kunstakademie, wurde Jörg Immendorff in der Klasse von Joseph Beuys zu dessen Meisterschüler. Jörg Immendorffs künstlerische Entwicklung wurde inhaltlich beeinflusst von der Zweiteilung Deutschlands und den Protestbewegungen der Nachkriegszeit. So schöpft der Künstler aus Themen der Politik, der Soziologie und der zeitgenössischen Geschichte.

Jörg Immendorffs vielseitige Arbeit als Künstler fand ihren Niederschlag vor allem in der Malerei. In grossformatigen Gemälden füllte er in expressiv-realistischem Stil und lebendigen Farben die Leinwand aus, wobei er jedes Element im Bild bis in sein grafisches Äusseres ausschöpfte. Der Künstler entwickelte eine individuelle Ikonografie und setzte bedeutende Persönlichkeiten aus Kunst, Politik und Intelligenzia in seinen Szenarien ein. Das Ölgemälde “Section de merde allemande (sentimental)” (1990) ist dafür beispielhaft: Joseph Beuys, der Übervater Immendorffs, sitzt zusammen mit dem Galeristen Michael Werner in einem Salon, der in gedämpftes Licht gehüllt ist. Der bühnenartige Hintergrund ist typisch für die Konstruktion von Immendorffs Gemälden. Der Aufbau als Bild im Bild reflektiert die illusionistischen Aspekte innerhalb der Kunst.
In den 1990er Jahren beschäftigte sich Immendorff intensiv mit dem Bühnenstück “Peer Gynt” von Henrik Ibsen (1867). Aus diesem Interesse heraus entstand eines seiner Schlüsselwerke “Gyntiana” (1992). Später, im Jahre 1996, schuf er eine Serie von Gouachen in Zusammenhang mit dem Phantasieland “Gyntiana”, auch “Aualand” genannt. Die Hauptfigur des “Peer Gynt”, längst zu einer Identifikationsfigur für Immendorff geworden, besetzte darin einen wichtigen Platz. Einige Werke aus diesem Zyklus sind in der Ausstellung zu sehen.

Auch als Bildhauer weist sich Immendorff durch eine starke, unabhängige Sprache aus. Kurz vor seinem Tod entstanden, bilden die Immendorff’schen Affenskulpturen einen Meilenstein im Werk des Künstlers. Er stellt das Tier in verschiedensten Grössen und Situationen dar, in menschlicher Aktivität begriffen oder mit menschlichen Attributen versehen. Seine Affen wirken fröhlich oder nachdenklich, niemals sind sie animalisch oder aggressiv. Der Affe diente Immendorff als Alter Ego: mit Joseph Beuys an der Hand, zusammen mit Immendorff’s Tochter Ida oder mit Malerutensilien dargestellt, ist er eine zentrale Figur im Gesamtwerk des Künstlers, die ihm gleichzeitig selbstironisch und ratgebend zur Seite stand.

©2007 artnet - The art world online. All rights reserved. artnet is a registered trademark of artnet Worldwide Corporation, New York, NY.