|
Please scroll down for English version
„Like There Is No Tomorrow“ vom 29.9.2007 bis zum 13.1.2008 zeigen wir Arbeiten der Künstler Zoya Cherkassky, Atta Kim, Julia Fullerton-Batten, Yun-Sun Jung, Sheila & Nicholas Pye, Robert Gligorov, Daniel & Geo Fuchs, Alona Harpaz and James Higginson.
Die Vernissage findet am 29. September von 18-22 Uhr statt. Dazu laden wir Sie herzlich ein. Während der Zeit der Art Forum Berlin (29.9.-3.10.2007) ist die Galerie von 10-20 Uhr geöffnet.
LIKE THERE IS NO TOMORROW
Violence And Deconstruction
Der Titel der Ausstellung provoziert, schockiert eventuell; sollte aber vor allem für sozialen Sprengstoff einerseits und künstlerisch sensibel und intuitiv – vor allem die zu erwartenden mit ausdrucksstarkem Symbolgehalt aufgeladenen Bildwelten beschreiben.
Anliegen der Galeristin Dr. Caprice Horn, international in zahlreichen Foto- und Video-Jurys vertreten, ist es vor allem ein facettenreiches Spektrum ihres neuesten Programms zu präsentieren und damit einen existentiellen Aspekt der globalen Gesellschaften zu repräsentieren, der sowohl psychologische Zwischentöne als auch Abgründe der menschlichen Existenz beleuchtet.
Der 1953 in Korea geborene Fotokünstler ATTA KIM ist mit seiner neuesten Serie vertreten, die sowohl in sensiblen Portraits als auch szenisch intensiv inszenierten Obsessionen einerseits sakrale Themen aufgreift und andererseits profane Aspekte hinzufügt, die sich zu einer spektakulären Schichtung von Kurzlebigkeit, Orientalismus und Apokalypse verdichten. Intensive Farbspektren und distanzierte asiatisch inspirierte Gesten erinnern an dramatisch theatralische Bühnenwelten, die jedoch in ihrer opulenten Dichte auch filmische Sequenzen imitieren und referieren.
Nach zahlreichen internationalen Solo und Group Shows in Sydney, Moskau, Paris, New York und Japan, sowie als Teilnehmer auf der Biennale Sao Paulo 2002 und einer Ausstellungsbeteiligung im Berliner Haus der Kulturen der Welt, ist sein aktuelles Werk nun wieder in Berlin zu sehen.
Das Künstlerduo SHEILA&NICHOLAS PYE haben in ihrer Video-Triologie die expressive Dynamik der Gender-Thematik aufgegriffen, die weit über die Tradition von inzwischen „klassischen“ Vorgängern wie Anne&Louise Wilson oder Tony Oursler Abgründe der seelischen Grausamkeit zeigen, die in beklemmenden filmischen Erzählungen zu einer Strategie des menschlichen Überlebenswillen in dramatischer Geschlechter-Konkurrenz – als Verbündete und Verfeindete gleichzeitig – gipfeln.
JULIA FULLERTON-BATTEN´S Fotoarbeiten unterstreichen den Aspekt der Teenager-Realität aus einem ganz speziellen Blickwinkel. Die in öffentlichen Medien mit Model-Contests und in den Print-Medien mit Manga-Ästhetik aufgeladene und gesellschaftlich von Hochglanz-Magazinen provozierte und geschürte Wettbewerbs-Situation der „Schönen und Erfolgreichen“ – mit Starkult um Paris Hilton und andere „Glamour-girls“ wird bei ihr zu subtilen, oberflächlich fast harmlosen Alltagsritualen inszeniert. Fast beiläufig beobachtet die Kamera als „versteckter Beobachter“ die scharfe, und oft schmerzhafte Schnittstelle zwischen dem Mädchendasein und Erwachsenwerden. Die Künstlerin fordert damit eine „stille Aufmerksamkeit“ des Betrachters und seinen geduldigen bis sensiblen, fast psychologisch sezierenden Blick heraus.
Die Künstlerin gewann zahlreiche internationale `Photography Awards´, wie etwa 2005 den Preis der Royal Photographic Society London und 2004-2006 den Preis der American Photography´s, sowie u.a. den Photo Review Price 2004.
Die aus Kiew stammende ZOYA CHERKASSKY institutionalisiert in ihrer Malerei unsere Betrachtungsebenen/-winkel auf die „Leerstellen“ unseres gesellschaftlichen Daseins. Ihre menschenleeren Ansichten von Wartesälen, öffentlichen Banken oder Kunsthallen implizieren die Wirkungsstätten zwischen sozialer und hierarchisch organisierter Öffentlichkeit und die Sehnsucht nach Anerkennung und Prestige, wie auch den nötigen Rückzug ins private, fast familiäre. Die Werke verlangen eine Orientierung und Definition des beruflichen Prestiges einerseits und der diffizilen Raumordnung andererseits. Ihre malerischen Rauminszenierungen tragen die Zeugenschaft eines kritischen Observers, aber auch zurückgezogenen Betrachters. Sie ist Regisseurin ihrer Bildwelten aber auch teilnehmende Ausstatterin, die Requisite behält sich die Malerin selbst vor, die sozialen und gesellschaftlichen Aspekte sind gerade deshalb so vielseitig les- und interpretierbar. Die 1991 nach Israel emigrierte Künstlerin driftet geschickt zwischen den Welten des Umbruchs im Ostblock und der politisch-religiös aufgeladenen Situation in Israel.
Die aus Süd-Korea stammende YUN-SUN JUNG ist in ihren ausdrucksstarken fotografischen Montagen ihr eigenes Model und spielt ihre weiblichen Rollen von kokett, bis bourgoir, erotisch aufgeladen bis zynisch affektiert, hoch- bis edelmütig und in surrealen Verkleidungen. Die Technik der Montage und Collage ist in ihrem Werk so artifiziell, dass ihre Bilder eine vielschichtige Referenz sowohl an globale Werbe- und Glamourwelten als auch Herrscher-Portraits und berühmte Bildnisse wie etwa von Katharina di Medici oder der Herzogin von Alba (gemalt von Goya), wie auch grazil und asiatisch-bleich inszenierte Schönheiten der Shiseido-Make up-Kampagnen. Ihre Referenz an die Weiblichkeit driftet zeitlos zwischen den Jahrhunderten, Epochen und Genres, um letztendlich eine individuelle und unverwechselbare Bildsprache/Handschrift zu entwickeln. Die mehrmals erfolgreich an der Bansun-Biennale in Korea teilnehmende Künstlerin, hat bereits in Tokyo und Seoul ausgestellt und wird nun erstmals in Europa vertreten sein.
Der aus L.A. stammende amerikanische Foto- und Multimediakünstler JAMES HIGGINSON arbeitete Jahrzehnte lang in der Film- und Werbebranche. Hier perfektionierte und schärfte er seinen Blick für die oberflächliche Ästhetik der Werbewelt einerseits und die aufwändige Inszenierung Hollywoods andererseits. Die Welt des schönen Heims und ihre Sehnsucht nach Harmonie, Erfolg und grenzenlosem Vertrauen, wird bei ihm subtil aufgebrochen zu einer zynischen Inszenierung zwischen alltäglicher häuslicher Gewalt, Hass und Hysterie. Alkoholabhängige Väter die ihre Frauen in Gegenwart der Kinder prügeln, Teenager die ihre Eltern quälen und bösartig verspotten, sowie amerikanische Tabuthemen wie Drogensucht, Depression und Exzess sind die Themen seiner Serien. Fotografien, die perfekt nach den Stilen der 1930er bis 60er Jahre ausgestattet sind, die als Zeit des kalten Krieges, der Kuba-Krise, des Kennedy-Attentats, der Bürgerrechts-Bewegung und des Civil Wars, aber auch der großen wirtschaftlichen Erfolge einerseits sowie außenpolitischen Misserfolge andererseits den „American Dream of Life“ so ursächlich in seinen Grundfesten erschütterten, sind Higginsons Werke die bloß gestellte und sensibel psychologisch sezierte Seele wie Psyche der Amerikaner.
Der Mazedonier ROBERT GLIGOROV eröffnet in seinen Fotografien Körperwelten, die den Menschen als geläuterte Bestie zeigen. Seine animalische Camouflage aus Tierhäuten von gerupftem Geflügel oder Schlangenhäuten, die irritierend echt auf menschliche Körper übertragen sind, zeigen schockierend wie nah die Grenzen einer „Schönheits-Operation“ an existenzielle psychische Zustände gekoppelt ist. Seine „Mischwesen“ und fabelartig anmutenden Chimären sind mystisch-animalisch, diabolisch und bösartig bis grausam gehäutet und seziert, in verzweifelten Grimassen und gequälten Mimiken. Doch GLIGOROV interessieren nicht nur die Qualen menschlicher Existenz, sondern auch der Blick des scheinbar aufgeklärten menschlichen Individuums auf tierische Wesen, die er in seinen neuesten Objekten zu mutierten Zwischenwesen mit bedrohlichen Waffen aufbaut. Der in Mailand arbeitende und lebende Künstler hat an zahlreichen internationalen Group Shows teilgenommen und wird bei Caprice Horn exklusiv in Deutschland vertreten.
Das Künstler-Duo DANIEL und GEO FUCHS wildert charmant in den amerikanischen Comic-Welten. Helden wie Batman, Spiderman und Künstleridole wie Andy Warhol oder Jeff Koons – die Pop-Ikonen der amerikanischen Society, werden in Verkleidung und Maskerade noch künstlicher inszeniert als sie jemals wirkten. Statt einer Perücke trägt Andy Warhol eine Plastikkappe und wirkt nicht einmal wie aus dem Wachsfiguren-Kabinett, sondern sogar wie eine zum Massenprodukt gewordene Schaufensterpuppe.
Das Spiel mit Miniaturen und Marquetten, klein wie Barbiepuppen anmutende Figuren, gibt den inszenierten Portraits des Fuchs-Paares einen zynischen Beigeschmack von Disneyworld; nur dass die Rollen subtiler und ironischer ausgestattet und „ins Bild“ gesetzt werden. Die bereits in mehreren Einzel- und Gruppenausstellungen in der Galerie Caprice Horn repräsentierten Künstler sind hier mit ihrem Video „Movements“ aus dem Jahr 2000 vertreten, einem „Schnipselwerk“, das Sequenzen aus pornografischen Filmen der 70er und 80er Jahre zerstückelt, in skurrilen Loopings wiederholt und aus der üblichen „Fleischbeschau“ eine absurde Anatomie-Montage generiert. Daniel und Geo Fuchs zeigen ihre „Toys“-Serie aktuell in der Ursula Blickle Stiftung und ab Januar 2008 im Museum Wolfsburg.
____________________________________________________________________
In our new exhibition „Like There Is No Tomorrow“ from September 29th to December 10th we present works from the artists Zoya Cherkassky, Atta Kim, Julia Fullerton-Batten, Yun-Sun Jung, Sheila & Nicholas Pye, Robert Gligorov, Daniel & Geo Fuchs, Alona Harpaz and James Higginson.
The opening will be on the 29th of September from 6 to 10pm – you are cordially invited. During the Art Forum Berlin (29.9.-3.10.2007) the gallery will be opened from 10am to 8pm.
LIKE THERE IS NO TOMORROW
Violence and Deconstruction
The title of the exhibition is provocative and possibly shocking; above all, however, it is intended to be socially explosive as well as artistically sensitive and intuitive—and also to describe pictorial worlds which can be expected to be loaded with highly expressive symbolic contents.
The particular intention of the gallerist Dr. Caprice Horn, who has participated in numerous international photo- and video-juries, is to present a richly faceted spectrum of her most recent program, and thereby to represent an existential aspect of global society, one which illuminates not only psychological nuances but also the profundities of human existence.
The photo artist ATTA KIM, born in Korea in 1953, is represented with his most recent series which, in both sensitive portraits and intensively staged obsessions, on the one hand takes up sacred themes and, on the other, adds profane aspects which condense into a spectacular layering of ephemerality, orientalism and apocalypse. Intense chromatic spectrums and distanced, Asian-inspired gestures recall vividly dramatic theatrical worlds whose opulent density, however, also imitates and elucidates film sequences.
After numerous single and group shows in Sydney, Moscow, Paris, New York and Japan, as well as a presence at the São Paulo Biennial and participation in an exhibition at Berlin’s House of World Cultures, his current work may now be seen once again in Berlin.
In their video trilogy, the artistic duo SHEILA& NICHOLAS PYE have taken up the expressive dynamism of the gender theme. Extending far past the tradition of such predecessors as Anne & Louise Wilson or Tony Oursler who in the meantime have become “classic,” these works depict the abysses of mental cruelty and, in oppressive film narrations concerning the strategy of the human will to survive, culminate in a dramatic competition between the sexes—as simultaneous allies and enemies.
The photographic works of JULIA FULLERTON-BATTEN underscore the aspect of teenagers’ reality from a quite special point of view. The competitive situation of the “beautiful and successful” —with the star-cult of Paris Hilton and other glamour girls—which is supercharged in the visual media with model contests and in the print media with the Manga aesthetic, and which becomes socially instigated and exacerbated by glossy magazines, is staged by this artist as a subtle, superficially innocuous ritual of everyday life. Almost incidentally, the camera records as a “hidden observer” the sharp and often painful interface between girlishness and growth towards adulthood. The artist thereby challenges the viewer to a “quiet attentiveness” and a scrutiny ranging from patience to sensitivity and bordering on psychological dissection.
The artist has won numerous international photography awards, including the Prize of the Royal Photographic Society London in 2005, the Prize of American Photography in 2004–2006, and the Photo Review Prize in 2004.
In her paintings, ZOYA CHERKASSKY from Kiev institutionalizes the levels and angles of our observations with regard to the “blank spaces” of our social existence. Her deserted views of waiting rooms, public banks or exhibition halls imply the areas of influence between social and hierarchically organized public presence, with its yearning for recognition and prestige, and the necessary withdrawal into the private, almost familial sphere. The works demand an orientation and definition of professional prestige on the one hand, and difficult spatial arrangement on the other. Their painterly, spatial stagings bear witness to the activity of a critically aware but also discretely withdrawn observer. The artist functions as the director of her pictorial worlds but also participates as a production assistant who reserves the props for herself, and for this reason the social aspects can give rise to multiple readings and interpretations. Having emigrated to Israel in 1991, the artist drifts adroitly between worlds in upheaval in the former East Block, and the both politically and religiously charged situation in Israel.
The South Korean artist YUN-SUN JUNG is herself the model for her highly expressive photo montages and, in surreal costumes, she plays her feminine roles from coquettish to bourgeois, erotically charged to cynically affected, arrogant to magnanimous. The techniques of montage and collage are so artificial in her work that her pictures establish a complex referentiality, both to the global advertising and glamour worlds and to portraits of sovereigns and famous figures such as Catherine de’ Medici or the Duchess of Alba (painted by Goya), as well as the pale and delicate, Asiatic beauties of the Shiseido make-up campaigns. Her references to femininity wander timelessly between centuries, epochs and genres, and ultimately they develop an individual and unmistakable pictorial language and handwriting. The artist, who has several times participated successfully in the Bansun Biennial in South Korea, has already exhibited in Tokyo and Seoul and will now be presented for the first time in Europe.
JAMES HIGGINSON, an American photo- and multimedia-artist coming from Los Angeles, worked for decades in the film and advertising industry. There he sharpened and perfected his view of the superficial aesthetic of the advertising world on the one hand, and the lavish stagings of Hollywood on the other. He subtly disrupts the world of beautiful homes and its yearning for harmony, success and boundless trust, transforming it into a cynical staging of everyday domestic violence, hate and hysteria. The themes of his series are alcoholic fathers who beat their wives in the presence of their children, teenagers who torture and maliciously mock their parents, as well as subjects which are taboo in America, such as drug addiction, depression and excess. The photos are perfectly styled from the era of the 1930’s to the 1960’s—that era of the Cold War, Cuban missile crisis, Kennedy assassination, civil rights movement and extreme social tensions, along with great economic successes on the one hand and foreign-policy failures on the other, when the American dream of life was so deeply shaken to its very foundations—Higginson’s works expose and dissect, in a sensitive psychological manner, the American soul and psyche.
In his photographs, the Macedonian ROBERT GLIGOROV opens corporeal worlds which depict human beings as transfigured beasts. His animal camouflages, consisting of skins from plucked poultry or from snakes which are applied to human bodies in an irritatingly authentic manner, demonstrate shockingly how closely the borders of plastic surgery are linked to existential psychological conditions. His hybrids and fabulous chimaeras are skinned and dissected in a mystic-animalistic, diabolical and evil, even cruel manner, with despairing grimaces and tortured mimicry. But Gligorov is interested, not only in the torments of human existence, but also in the point of view adopted by seemingly enlightened human individuals towards animal beings which, in his most recent works, he builds into mutated, intermediate beings outfitted with threatening weapons. The artist, who lives and works in Milan, has participated in numerous international group shows and is exclusively represented by Caprice Horn in Germany.
The artistic duo DANIEL and GEO FUCHS poaches charmingly in the worlds of American comics. Heroes such as Batman and Spiderman, along with artist idols such as Andy Warhol or Jeff Koons—the pop icons of American society—are staged in disguise and masquerade, in an even more artificial manner than they were ever presented in real life. Instead of a wig, Andy Warhol wears a plastic hood and conveys the appearance, not of a figure from a wax museum, but in fact of a display-window mannequin transformed into a mass product. The play with miniatures and models, small figures resembling Barbie dolls, imbues the portraits staged by the Fuchs duo with a cynical aftertaste of Disneyworld, only that the roles are more subtly and ironically outfitted and put “into the picture.” The two artists, who have already been represented in several solo- and group-exhibitions in the Galerie Caprice Horn, are presented here with their video “Movements” from the year 2000, a “snippet work” which dismembers sequences from pornographic films of the nineteen-seventies and -eighties, repeats them in scurrilous loops, and transforms the customary “meat market” into an absurd anatomical montage. Daniel and Geo Fuchs are currently presenting their “Toys” series in the Ursula Blickle Stiftung and, starting in January 2008, in the Museum Wolfsburg.
|