Jiri Georg Dokoupil
When My Attitudes Become Form Again.
12 Hooks - Neue Arbeiten
11. Mai - 31. August 2007
Keine Sommerpause - durchgehend geöffnet
Wir freuen uns, die neue Werkserie “Hooks“ von Jiri Georg Dokoupil erstmals der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Der international renommierte Künstler, der 1954 in der Tschechoslowakei geboren wurde, mit 14 Jahren nach Deutschland kam und heute in Prag, Berlin, Madrid und Rio de Janeiro lebt und arbeitet, hat diese überraschende und in seinem bisherigen Werk völlig neue Serie unter strenger Geheimhaltung in Prag geschaffen.
Als ich zum ersten Mal Dokoupils Haken auf einem Foto sah, das Karl Pfefferle in Prag aufgenommen hatte, musste ich laut lachen. Wieder eine typische, humorvolle Dokoupilarbeit! Riesige Kleiderhaken hingen, in der Sonne goldglänzend, in Reih’ und Glied an der maroden, äußeren Hauswand der Gießerei in einem voll gerümpelten Hinterhof. Wer mochte bloß hierher kommen und seine Jacke aufhängen? Wie riesig müssten die Kleider sein, die dann als meterhoher Stoffhaufen am Boden lägen? Eine Situation ganz wie aus “Alice im Wunderland“, die nachhaltig alle Relationen verschiebt.
Als die Haken einige Wochen später in der Galerie lagen, musste ich erneut laut lachen. Lauter Haken, aber keine Bilder, keine Objekte. Hier greift der Duchamp’sche Effekt des Ready Mades. Es geht um Kunst und um unsere Wahrnehmung im Alltag. Vermutlich wird man nach dem Besuch unserer Ausstellung nie wieder einen Haken sehen ohne an Dokoupil zu denken - so wie man bei jedem Förderturm an die Bechers denkt und bei jeder Campbell Suppendose an Andy Warhol. Was kann Kunst mehr erreichen als unser Verhältnis zu den nächsten Dingen nachhaltig zu beeinflussen, uns von neuem zu sensibilisieren?
Es gibt wohl kaum Dinge, die stärker über ihre Funktion wahrgenommen werden als der gemeine Kleiderhaken. Sein Schicksal ist Unterordnung. Hier nun erleben wir die Haken zweckfrei, skulptural und, aufgrund ihrer Größe, körperlich mit all unseren Sinnen. Den unterschiedlichen Formen ordnen wir ganz unterschiedliche Orte und Besitzer zu. Die eigentümliche Leere dieser Kunstwerke von brancusihafter Schönheit und Eleganz beflügelt unsere Phantasie, unsere Gedanken.
Einmal mehr beweist der Künstler mit diesen weit auskragenden Wandobjekten, dass Robert Fleck, der ihm vor zwei Jahren in den Hamburger Deichtorhallen eine große Retrospektive eingerichtet hat, Dokoupil zu Recht als „Erfindungsmaschine“, „als einen der spannendsten und in der jüngeren Szene einflussreichsten Künstler der Gegenwart“ bezeichnet hat.
Die neue Serie unterstreicht Dokoupils Haltung eines konzeptionell arbeitenden Künstlers, der – trotz der betörenden Sinnlichkeit und des Humors seiner Werke – auf einen aktiven, über das Werk hinaus denkenden Rezipienten setzt. Der von Dokoupil gewählte Ausstellungstitel „When my Attitudes become Form again“ versteht sich als eine Hommage an die Konzeptkunst, der Harald Szeemann mit seiner legendären, programmatischen Ausstellung „When Attitudes become Form“ in der Berner Kunsthalle 1968 zum Durchbruch verholfen hat.
Kai Middendorff
Vernissage Freitag 11. Mai 18 - 21 Uhr
Um 20 Uhr spricht Chris Dercon
Direktor, Haus der Kunst, München
Jiri Georg Dokoupil ist anwesend
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