Intermedial

Intermedial

partiturenbaum by mary bauermeister and karlheinz stockhausen

Mary Bauermeister and Karlheinz Stockhausen

Partiturenbaum, 1964

Price on Request

Saturday, May 3, 2014Saturday, June 28, 2014

Potsdamer Strasse 81 B
Berlin, Germany

3. Mai – 28. Juni 2014
Vernissage: 2. Mai, 16 Uhr


401contemporary Potsdamer Straße 81 B, 10785 Berlin


Bauermeister
Bussotti
Cage
Jones
Paik
Patterson
Piene
Stockhausen
Takako Saito
and others

Als Mary Bauermeister (*1934 in Frankfurt am Main) und Karlheinz Stockhausen (1928-2007) nach drei arbeitsintensiven Wochen in Finnland ihre Partitur „Originale“ fertig gestellt hatten, konnte schon im Oktober 1961 an fünf Abenden im Theater am Dom in Köln das Schlüsselwerk der Avantgarde der 60er Jahre aufgeführt werden: es traten nur „Originale“ auf, das heißt: die Malerin war live die Malerin - natürlich Bauermeister selbst - und derjenige junge Mann, der in der Partitur Aktions-Komponist heißt, war der damals noch völlig unbekannte junge Koreaner Nam June Paik (1932-2006), der Erbsen ins Publikum warf und mit Rasierschaum neuartige Minuten-Skulpturen schuf.

Dies war das sicherlich eindrucksvollste, weil vielgestaltigste, unvorhersehbare Theater-Kunst-Ereignis, das zu Recht als eines der ersten Happenings überhaupt angesehen werden kann. Später bringen wir dies mit Fluxus in Zusammenhang, weil Mary Bauermeister in ihrem Atelier in der Kölner Lintgasse schon im Jahr zuvor nicht nur Werke/Aktionen von John Cage (1912-1992) mehrfach, sondern auch von Nam June Paik erstmals in Köln aufführte, während die Avantgarde in WDR-Festivals dagegen eher konservativ wirkte.

Wenn man Mary Bauermeisters Werk heute rückwirkend sieht, sind die Ideen von Zero und Arte Povera, von Land Art und individuellen Mythologien, aber auch die aus dem Bild-Rahmen ausbrechender Malerei, von in den Raum ausgreifenden Skulpturen sowie von Einbeziehung naturwissenschaftlicher Phänomene, von Natur-Materialien genauso nah, wie die Ideen ihrer eigentlich zu Fluxus zählenden Freunde.

Der Einfluss der Persönlichkeit, der Aktivitäten und des eigenen künstlerischen Werkes von Bauermeister auf die Kunstentwicklung seit den späten 50er Jahren, d.h. auf die Musik, auf den Tanz und die Aktionskunst, ja auf das Kunst-Klima in Köln sind jedoch noch gar nicht wirklich untersucht. Was hat zum Beispiel Stockhausen von den bildnerischen Visionen einer Mary Bauermeister gelernt und in Eigenes umgesetzt?

Ein Werk wie Stockhausens „Momente“ (Sommer 1962) mit all den aktionistischen, den Zufall einbeziehenden Geräuschen von Alltags-Objekten und jeder Art von Stimmen-Klang ist ohne die Anregungen von Bauermeister nicht vorstellbar. Die Einflüsse Stockhausens und Bauermeisters auf Fluxus sind ohne Frage genauso sicher wie umgekehrt - die Daten und Kenntnisse der Beteiligten müssten monatsweise analysiert werden, so nah liegen da das Geben und Nehmen. - Wie sind die Anstöße in dem Kölner Umfeld bei Künstlern wie dem Regisseur und Denker Arthus C. Caspari, Christo mit seinen ersten Verhüllungen am Rheinauhafen oder Hans G Helms (1932- 2012) mit seinen Sprachspielen „Fa:m Ahniesgwow“ und Ernst Brücher, dem mutigen Verleger des DuMont-Buchverlages, zu sehen?

Ich habe 1986 in einer großen Ausstellung „Die 60er Jahre Kölns Weg zur Kunstmetropole - Vom Happening zum Kunstmarkt“ im Kölnischen Kunstverein diesen Aufbruch Kölns gefeiert und die herausfordernde Überschrift gewählt: „Die Geburt der Kunst-Metropole Köln aus dem Geist der Musik“ – und zwar aus dem Spirit des Ateliers der Mary Bauermeister.

Mit der Ausstellung INTERMEDIAL bei 401contemporary, Berlin soll diesem Spirit nun nachgegangen werden. Gezeigt werden Arbeiten von Mary Bauermeister, Sylvano Bussotti, John Cage, Hans G Helms, Joe Jones, Nam June Paik, Ben Patterson, Otto Piene, Takako Saito und Karlheinz Stockhausen.

Text: Wulf Herzogenrath