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Werkverzeichnis Poliakoff 2011 Nr. 59-121
Expertise: Alexis Poliakoff, Archives Serge Poliakoff, Paris, dort registriert unter der Nr. 859063
Seit 1951 setzt sich Poliakoff intensiv mit den Möglichkeiten der Gouachetechnik
auseinander, bei der die Pigmente mit Leim gebunden werden und ähnlich wie beim
Aquarell wasserlöslich bleiben. Der Unterschied zum Aquarell besteht darin, dass
Gouachepigmente aus farbigen, sehr trockenen Kreiden gewonnen werden. Diese sinken
nicht so stark in das Papier ein wie die Pigmente von Aquarellfarben. Hierdurch haben
Gouachen in der Regel eine deutlich haptischere Wirkung und leiden in ihrer Erscheinung
deutlich weniger unter einer möglichen Bräunung des unterliegenden Papiers. Poliakoff
malt seine ersten Gouachen hauptsächlich bei Aufenthalten außerhalb des Ateliers, wie
sich sein Sohn Alexis erinnert: "War er nicht in Paris, verreiste er mit einem kleinen
Koffer, in dem er seine Farben bewahrte. Dann arbeitete er häufig an Gouachen."1) Eine
Besonderheit ist, dass Poliakoff seine Farben selbst herstellt. Er wählt die Pigmente aus
und experimentiert mit verschiedenen Bindemitteln: "Was bei der Farbe zählt, das ist
nicht Schwarz, Weiß oder Gelb […] Wichtig ist vielleicht die Bedeutung der Farben, und
ganz wichtig ist dann auch die Qualität der Farben, denn die Farben können das Gefühl,
die Persönlichkeit, zum Ausdruck bringen, […]"2) Nach verschiedenen internationalen
Ausstellungen in den Fünfziger Jahren findet 1960 auf dem Höhepunkt seines Erfolges
eine große Ausstellung in der Kunsthalle Bern statt. Serge Poliakoff ist nun schon über
die Grenzen Europas hinaus bekannt. Besonderes Erkennungsmerkmal seiner stärksten
Gemälde dieser Zeit sind die gegeneinander gesetzten, oft stark farbigen
Farbfeldkompositionen. Eine besonders typische Gouache dieser Zeit stellt unsere
"Composition abstraite" dar. In kräftigem Blau, Rot und Ocker verzahnen sich die
geometrischen Formen auf einem frischen, weißen Untergrund ineinander. Die Bewegung
der Formen verläuft vom Außenrand zur Mitte des Bildes hin, wodurch eine Dynamik im
Bildaufbau entsteht. Obwohl die Formen scharf voneinander abgegrenzt sind, werden die
einzelnen Flächen voneinander durch ihre innere Kraft angezogen und es entsteht ein
magischer Gesamteindruck eines spannungsgeladenen und dennoch zusammenhaltenden
Ganzen.
Anmerkung.:
1) Alexis Poliakoff, "Zur Malpraxis von Poliakoff", in: Ausst.-Kat. Museum Würth, Stuttgart
1997, S. 61.
2) "Serge Poliakoff spricht mit Gérard Durozoi - Aufzeichnungen aus dem
Jahr 1967", in: Ausst.-Kat. Museum Würth, S. 58.
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