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Das Werk ist im Arbeitsheft der Künstlerin aus dem Jahr 1942 unter der Nr. 19 mit dem Titel "Rote Dahlien auf Rot" aufgeführt und mit einer Kompositionsskizze festgehalten. Nach diesem Eintrag malte Gabriele Münter das Bild zwischen dem 23. und dem 26. Juli 1942.
Aufgenommen in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis von Dr. Isabelle Jansen,
München
Expertise: Prof. Dr. Helmut Friedel, Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München
Gabriele Münter zieht sich 1937, nachdem die Nationalsozialisten ihre Werke als entartet
brandmarkten, aus dem öffentlichen Kunstleben zurück. In der Abgeschiedenheit
Murnaus, wohin sie sechs Jahre zuvor übergesiedelt war, konzentriert sich die Malerin auf
ihr vielfältiges Spätwerk. In den Kriegsjahren fällt ihr das Arbeiten jedoch schwer, und so
entstehen nur wenige Bilder, vornehmlich Porträts und Blumenstilleben. Letzteren
schenkt Münter seit den Dreißiger Jahren im besonderen Maße ihre Aufmerksamkeit.
Nach Jahren der persönlichen und künstlerischen Neuorientierung innerlich zur Ruhe
gekommen, bietet ihr das bescheidene Motiv unerschöpfliche Möglichkeiten, sinnliche
Empfindungen zur Anschauung zu bringen. Dabei folgt Münter nicht mehr der
schlagenden Expressivität ihrer frühen Schaffenszeit, als sie gemeinsam mit den
Freunden der „Neuen Künstlervereinigung München“ innovative Wege in der Malerei
markierte, sondern beschreibt nun in einer besonneneren Sichtweise das, was ihr
bildwürdig erscheint. Was sie aber beibehält, ist ihre großzügige Bildsprache wie auch
ihre leuchtende und vitale Palette. In einer großen Anzahl von Zeichnungen, Aquarellen
und Ölbildern geht sie das Thema an und spürt immer neue Farb- und
Formenkonstellationen auf: Vor einem bewegten, aus den Farbtönen der Blumen heraus
gewonnenen Hintergrund stehen oft mehrere Topfpflanzen und in Vasen oder Krügen
arrangierte Sträuße. Sie sind mit runden Konturen in kompakter Form zusammengefasst
und manchmal mit fließenden Umrissen gegliedert. Trotz der stilistischen Unterschiede
sind für die meisten Werke eine temperamentvolle Zeichnung und ein lebendiges Kolorit
charakteristisch.
Im Vergleich zu diesen prallen Arrangements erscheinen ihre späten Blumenstillleben
etwas reduzierter. Wie bei dem hier gezeigten Gemälde befindet sich nun häufig nur eine
einzelne kleine Bauernvase oder ein Wasserglas in der Mitte des Bildes, aus denen sich
prachtvolle Blumensträuße entfalten. Farbgebung sowie Pinselduktus wirken nun
homogener. Gerade unser Gemälde beeindruckt durch sein stark eingeschränktes Kolorit.
Blüten, Hintergrund und Tisch zeigen die große Bandbreite der Rot-Skala auf. In ihr
setzen das Grün der Blätter und das Blau des rundlichen Gefäßes kräftige Akzente. Was
hier besonders zum Tragen kommt, ist Münters subtiles Farbempfinden, das ihr Werk von
Beginn an prägt. Vor allem von der eigentümlichen Farbkraft der bayerischen
Hinterglasmalerei inspiriert, haben ihre Farben jedoch keinen Symbolwert; Münter sucht
sie in der Natur.
Von dem Bild geht etwas Feierliches aus, das uns gefangen nimmt. Es ist eine tiefe,
gesammelte Ruhe. Fern ab vom schrecklichen Kriegsgeschehen erfreut sich die 65-
jährige Künstlerin in ihrem ländlichen Refugium an den einfachen Dingen des Lebens.
Hier ist sie ganz im Einklang mit sich selbst und dem Rhythmus der Natur. Diese
Harmonie verleiht ihrem Spätwerk eine unvergleichliche Intensität.
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