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L O U I S E B O U R G E O I S : A S T R E T C H O F T I M E
40 JAHRE KARSTEN GREVE KÖLN
4. September bis 12. Dezember 2009
Die Galerie Karsten Greve widmet der Künstlerin Louise Bourgeois im Rahmen der
Saisoneröffnung der Düsseldorfer und Kölner Galerien eine umfangreiche Einzelausstellung.
Die Ausstellung retrospektiven Charakters reflektiert die seit über 20 Jahren andauernde
Zusammenarbeit mit Louise Bourgeois und umfasst Meisterstücke von 1964 bis 2009 mit
besonderem Fokus auf hängende Arbeiten. Damit gewinnt die Ausstellung eine Qualität und
Ausrichtung, wie sie in Deutschland bisher nicht zu sehen war.
Hängende Arbeiten ziehen sich wie ein roter Faden durch das OEuvre der mittlerweile nahezu
98-jährigen Künstlerin. Wie für eine Vielzahl Bourgeois’ Arbeiten gab ein Eindruck aus ihrer
Kindheit den Ausschlag für diese Werkgruppe, in der sie sich aus verschiedenen Perspektiven
ihren zentralen Themen wie Geburt und Tod, Angst und Liebe, der menschliche Körper und
Sexualität annähert. Der schöpferische Prozess ermöglicht es Bourgeois, ihre Vergangenheit
aufzuarbeiten und zu sich selbst zu finden. Wichtig ist ihr stets der Zustand der
Zwiespältigkeit, der in den hängenden Skulpturen besonders zum Ausdruck kommt:
„Horizontality is a desire to give up, to sleep. Verticality is an attempt to escape. Hanging
and floating are states of ambivalence“.
Als eine der frühen hängenden Arbeiten entstand im Jahre 1968 die Janus Serie. Nach der
römischen Gottheit Ianus benannt, der traditionell mit einem Doppelgesicht, vorwärts und
rückwärts blickend dargestellt wird (und damit als Symbol der Zwiespältigkeit gilt), fertigt
Louise Bourgeois verschiedene Versionen: Janus, Janus in Leather, Janus Fleuri. Die
anatomisch mehrdeutigen, in Augenhöhe hängenden Bronzen haben einerseits das Potential
zu schwingen und sich zu drehen, sind andererseits aufgrund der Körperschwerkraft darin
eingeschränkt. Für Bourgeois ist diese Instabilität ein Ausdruck von Zweifel und
Ambivalenz, eine Unsicherheit, einen bestimmten Weg einzuschlagen, etwas entgegen zu
blicken.
Die Werkgruppe Arch of Hysteria basiert auf einer Auseinandersetzung Bourgeois’ mit dem
französischen Neurologen Jean-Martin Charcot (19. Jh.), welcher in seinen Untersuchungen
der Ursache von Hysterie auf den Grund ging, die vor allem bedingt durch den
Fortpflanzungsapparat mit Frauen in Verbindung gebracht wurde. Beeindruckt von dem
Zusammenhang zwischen Physis und Psyche, ist der Arch of Hysteria für Louise Bourgeois
ein komplexes Verschmelzen von körperlichen, emotionalen und psychischen Zuständen, die
für beide Geschlechter zutrifft. Der Bronzeguss Arch of Hysteria mit seiner polierten
goldenen Oberfläche zeigt eine unbekleidete männliche Figur ohne Kopf, die an ihrem
Bauchnabel hängt, dem Mittelpunkt des Körpers und der ursprünglichen Verbindung zur
Mutter. Der sich nahezu kreisförmige biegende Körper impliziert Kontrolle und Balance des
Mannes, der in einem Zustand zwischen extremer Anspannung und Entspannung zu
schweben scheint. Für den Betrachter bleibt es jedoch unklar, ob die gekrümmte Figur Qual oder Ekstase verspürt. Die Tatsache, dass die Figur keinen Kopf hat, steigert die Trennung
zwischen Innen und Außen, zwischen der Psyche und dem Körper.
In den 1990er Jahren begann Louise Bourgeois – ihre Familie betrieb eine Galerie und
Restaurierungswerkstatt für historische Textilien – ihre eigene Kleidung und Stoffe in ihren
Werken – zu verarbeiten, eine Entwicklung, die psychologisch auf die Identifikation mit der
Mutter zurückzuführen ist. Die Aktion des Verbindens und Zusammennähens von Stoffen
versetzt Louise Bourgeois in die Rolle ihrer Mutter, die Weberin, und wird damit zum
Instrument, ihre Angst vor dem Verlassenwerden und der Einsamkeit abzuwehren.
Louise Bourgeois lebt und arbeitet in New York City. Jüngst wurde ihr Werk mit einer
umfangreichen Retrospektive gewürdigt, die 2007 in der Londoner Tate Gallery eröffnet
wurde und dann in Paris (Centre Pompidou), New York (Guggenheim) Los Angeles (MoCA)
und Washington (Hirshhorn Museum) zu sehen war.
Ausstellungsbegleitend erscheint ein Katalog mit einem Text von Robert Storr in englischer,
deutscher und französischer Sprache. Bestellungen werden gerne entgegen genommen.
Sollten wir Ihnen mit weiteren Informationen oder Bildmaterial behilflich sein können,
kontaktieren Sie uns bitte unter: galerie.greve@t-online.de.
pReview zum Galerienwochenende Düsseldorf Cologne Open 2009 im artnet Magazin
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