Eröffnung: Freitag, 13. November 2009, 19.00 Uhr.
Zur Eröffnung spricht: Franz Armin Morat, Freiburg.
Die monumentalen Skulpturen von Reiner Seliger sind der Kunstwelt längst ein Begriff: Für Aufsehen sorgen
europaweit seine kompakten und in sich ruhenden Zylinder- und Kegelformen sowie die unzähligen kokonartigen
Gehäuse und amorphen Türme - dies auf Kunst-Messen, in namhaften Galerien und in vielen privaten und
öffentlichen Sammlungen. Dazu gesellen sich kleinformatige Spindeln, Tropfen und Kugeln als mit Bedacht
gestaltete, freistehende Objekte und nicht zuletzt Wandarbeiten.
Signifikant für Seligers Kunst ist die exakte Kenntnis der inneren Verhältnisse seiner Skulpturenformen sowie eine
ganz spezielle Affinität und Liebe zum Material - dem gebrochenen, zerschlagenen Werkstoff: Terracotta-farbener
Backstein, grauer Ytong, strahlend weißer Marmor. Sein Kunstkonzept hat sich auf andere Materialien erweitert.
Auf knallig bunte Kreidebruchstücke oder Styropor und zerbrochenes, gesplittertes Glas. Wobei jeder einzelne
Baustein „die Dualität von glatter Schnittfläche und rauer Bruchkante“ (Gundula Caspary, Stadtmuseum Siegburg)
in sich birgt.
Seligers Objekt- und Skulpturenkunst beeindruckt vor allem durch ihren konstruktiven Aufbau. Gleich ob
archaisch anmutende Großplastik, reliefartige Wandarbeit oder Kristallinstruktur. Immer sind seine Arbeiten
Ergebnis eines Aufeinander-Schichtens, Ineinander-Verkeilens und Übereinander-Stapelns des Materials. Stück für
Stück, mit stoischer Ruhe, formiert der Künstler seine Gebilde zu statischen und bautechnischen Wundern von
faszinierender Ästhetik. Mal von schrundiger Oberflächenstruktur und spitzer Kanten, mal abgeschliffen oder
abgeschmirgelt und so von einer samtenen Weichheit des Körpers, erwachsen Seligers Objekte an ihrem
individuellen Ausstellungsort. Dort treten sie in einem inszenierten Gesamtarrangement mit dem Raum in Dialog.
Denn Bauen bedeutet für Reiner Seliger Räume schaffen.
„(…) raumfüllend, massig, und dennoch fragil, (…) und zugleich in sich ruhend, ewig“, beschreibt Gundula
Caspary die Wirkungsästhetik der Skulpturen Seligers und fährt fort: „Ganz Bildhauer, positioniert Reiner Seliger
seine Arbeiten immer mit Blick auf die Atmosphäre des Raumes, sei er geschlossen oder unter freiem Himmel.
(…) Seine architektonischen Skulpturen beziehen sowohl in Form und Größe als auch in Farbigkeit Position zu
der Trostlosigkeit eines Steinbruchs (…), zum saftigen Grün der Parkanlage oder zu stuck- und freskoüberzogenen
Sälen eines Barockschlosses, in die sie hineingepflanzt werden, merkwürdig fremd, doch niemals deplaziert.“
Reiner Seliger ist ein Künstler, der offensichtlich eine ganz eigene innere Verbindung zu raumgebenden Energien
entwickelt hat und den Betrachter daran teilhaben lässt. Es gelingt ihm dabei wieder und wieder meisterhaft, dem
Materialcharakter seiner Arbeiten eine stoffimmanente und vor allem auch gänzlich andere Qualität zu verleihen,
mit erstaunlichem Effekt!
In unserer Präsentation zeigen wir ein ausgewogenes Verhältnis von Skulpturen und Wandarbeiten. Wobei gerade
letztere durch ihre glatt geschliffene Oberfläche einen bewussten, deutlichen und spannenden Kontrapunkt zu den
schrunden Oberflächen der Skulpturen setzen.
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